Letztes Update am Mi, 09.12.2015 13:16

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landesbankenverband - HSH Nordbank hat eine Überlebenschance



Frankfurt (APA/Reuters/dpa) - Der deutsche Landesbankenverband VÖB will keine Parallelen zwischen der um ihre Zukunft bangenden HSH Nordbank und der abgewickelten WestLB ziehen. Die EU-Auflagen in den beiden Fällen seien nicht vergleichbar, sagte VÖB-Präsident Gunter Dunkel am Mittwoch in Frankfurt.

Die HSH bekomme anders als die WestLB zumindest die Chance eingeräumt, einen Käufer zu finden. „Über die Zukunft will ich aber nicht spekulieren“, sagte Dunkel, der zugleich Vorstandschef des Rivalen NordLB ist.

Die EU-Kommission hatte der HSH im Oktober die Pistole auf die Brust gesetzt. Entweder die Bank findet bis 2018 einen neuen Eigner oder sie muss abgewickelt werden. Zudem erlaubte die Brüsseler Behörde dem Geldhaus, milliardenschwere Altlasten auszulagern und weniger Gebühren für staatliche Garantien zu zahlen. Eine Übernahme der gesamten HSH durch die NordLB halten Insider für ausgeschlossen. Falls die HSH aber zerlegt werden sollte, sei möglicherweise das Firmenkundengeschäft attraktiv, auch für andere Institute.

Insgesamt ist der VÖB mit der Entwicklung der Landesbanken seit der Finanzkrise zufrieden. „Die Landesbanken haben im Großen und Ganzen ihre Hausaufgaben gemacht“, sagte Dunkel. Seit 2007 seien in der Institutsgruppe über 50 Prozent der Risikoaktiva abgebaut worden. Die kumulierte Bilanzsumme sei bis Mitte 2015 auf 1,16 Billionen Euro geschrumpft, 2008 waren es noch 1,8 Billionen. Viele Häuser hätten sich in Zeiten strengerer Regulierung und knapperen Kapitals auf ihr Kerngeschäft fokussiert. Nun gehe es darum, die Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Dunkel warnte allerdings erneut vor einer Gleichmacherei unter der einheitlichen europäischen Aufsicht.

Die wachsende Zahl von Regulatoren sehen Deutschlands Landes- und Förderbanken mit Sorge. Schon jetzt befänden sich „ziemlich viele Spieler auf der Spielwiese“, so Dunkel. Mit dem Start des Einheitlichen Abwicklungsmechanismus (SRM) per 1. Jänner 2016 komme eine weitere Behörde dazu, insgesamt seien es damit elf.

„Umso mehr fordern wir eine klare Aufgabenteilung zwischen der EZB, den europäischen Finanzaufsichtsbehörden, den nationalen Aufsehern sowie den Abwicklungsbehörden bei der Regelsetzung und Beaufsichtigung der Banken“, mahnte Dunkel. Angesichts der Datenflut, die von Banken verlangt werde, müssten sich die Aufseher besser untereinander abstimmen, forderte Dunkel.

Der Europäischen Zentralbank (EZB), die seit November 2014 die bedeutendsten Bankengruppen im Euroraum direkt überwacht, stellte der VÖB gleichwohl ein gute Zeugnis aus. „Vom Grundsatz können wir ein positives Fazit ziehen“, bekräftigte Dunkel. Die EZB beaufsichtigt direkt 123 Bankengruppen direkt, darunter 21 in Deutschland.




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