Letztes Update am Mi, 09.12.2015 13:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Familienvater sperrte im Flachgau Angehörige ein: Bedingte Einweisung



Salzburg (APA) - Ein 54-jähriger Familienvater hat im Juli seine Angehörigen wegen seiner psychischen Probleme in einem Haus im Flachgau einige Stunden lang eingesperrt. Der Mann stand deshalb am Mittwoch vor einem Schöffengericht in Salzburg. Die Anklage lautete auf Freiheitsentziehung, doch ein Gerichtsgutachter hatte den Mann zum Tatzeitpunkt für zurechnungsunfähig erklärt. Der 54-Jährige wird nun bedingt in eine Anstalt eingewiesen.

Der Österreicher hatte seine Familie an jenem 14. Juli total verängstigt und einen Cobra-Einsatz ausgelöst. Nach einem Streit mit seiner Frau war er in den Keller gezogen, dann ließ er seine Frau, seine Tochter und seinen Sohn nicht mehr aus dem Haus. Gegen 23.00 Uhr konnte der 26-jährige Sohn über ein Fenster aus dem verbarrikadierten Haus entkommen. Er rannte zu Nachbarn und schlug Alarm. Zeitgleich gelang es seiner 21-jährigen Schwester, die sich mit der Mutter weiterhin in „Geiselhaft“ befand, die Polizei per Handy zu verständigen. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand.

Der 54-Jährige, der schließlich im Auto davongerast war, wurde noch in der Nacht in der Nähe des Wohnhauses von der Polizei gestoppt. Die Beamten schlugen eine Seitenscheibe ein und zerrten den Verdächtigen aus dem Wagen. Auf dem Beifahrersitz lag ein 30 Zentimeter langes Messer. Der Mann wurde festgenommen, er hatte sich zuvor aber noch heftig dagegen gewehrt. Wegen seines psychischen Zustandes wurde er in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Gegen ihn wurde zudem eine Wegweisung und ein Betretungsverbot ausgesprochen. Er befand sich wegen einer psychischen Erkrankung schon länger in ärztlicher Behandlung.

Der neuro-psychiatrische Sachverständige Ernst Griebnitz nannte die Krankheit heute im Prozess (Vorsitz: Richter Thomas Meingast) beim Namen. Es handle sich um eine bipolare affektive Störung, an welcher der Mann zur Tatzeit gelitten und die ihn auch gefährlich gemacht habe. Mittlerweile sei aber ein Behandlungserfolg eingetreten, „die manische Phase ist abgeklungen“.

Falls die erforderliche Medikation sichergestellt und der Mann alle drei Wochen von einem Facharzt untersucht werde, könne er eine bedingte Einweisung in eine Anstalt für zurechnungsunfähige, geistig abnorme Rechtsbrecher empfehlen, erklärte Griebnitz. Staatsanwalt Andreas Winkler und Verteidiger Klaus Waha zeigten sich damit einverstanden. „Es besteht kein Zweifel daran, dass er sich an die Weisungen des Gerichtes hält“, sagte Waha. Die vom Schöffensenat anschließend verhängte bedingte Einweisung ist bereits rechtskräftig.




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