Letztes Update am Mi, 09.12.2015 13:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kernfusionsexperiment „Wendelstein 7-X“ hat Betriebsgenehmigung



Greifswald (APA/dpa) - Der Betrieb des Fusionsexperiments „Wendelstein 7-X“ in Greifswald kann beginnen. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales hat am Mittwoch die Betriebsgenehmigung für die Forschungsanlage erteilt. Bereits in der vergangenen Woche hatte deren Chef Heiko Will mitgeteilt, dass alle technischen Voraussetzungen am Greifswalder Max-Planck-Institut für Plasmaphysik erfüllt seien.

Der Direktor des Greifswalder Instituts, Thomas Klinger, begrüßte die Erteilung der Genehmigung. „Das war ein langer, intensiver und arbeitsreicher Prüfprozess“, sagte er. Das Institut wollte schon am Donnerstag das erste Mal ein Plasma erzeugen - allerdings zunächst mit Helium. Das erste Wasserstoffplasma soll im Januar erzeugt werden.

In der eine Milliarde Euro teuren Anlage wollen Forscher die Kernfusion analog den Prozessen auf der Sonne erforschen, um sie auf der Erde als Form der Energiegewinnung nutzbar zu machen. Dafür ist die Erzeugung eines Plasmas erforderlich, damit später in Kraftwerken Atomkerne verschmelzen und dabei Energie freigeben können. Im Greifswalder Institut ist eine Fusion von Atomkernen nicht geplant. „Wendelstein 7-X“ ist neben einer Anlage in Japan das weltweit größte Fusionsexperiment vom Typ „Stellarator“.

„Die Erzeugung des Helium-Plasmas ist unsere Generalprobe“, sagte Klinger am Mittwoch. Eine Mikrowellenheizung erhitzt dazu in einem Vakuumring das stark verdünnte Helium auf Temperaturen von fünf bis zehn Millionen Grad, damit das Gas ionisiert und in den Plasmazustand übergeht.

Mit Deuterium will das Institut frühestens ab 2017 arbeiten. Bei der Verwendung dieses Wasserstoffisotops entstehen geringe Mengen Radioaktivität. Dazu seien noch weitere technische Voraussetzungen zu erfüllen, wie Klinger sagte. Das Institut beschäftigt rund 500 Mitarbeiter. Das Projekt wurde von EU, Bund und mit acht Prozent auch vom Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert.




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