Letztes Update am Mi, 09.12.2015 13:54

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tochter von NSU-Opfer: Glaube Aussage Zschäpes „kein Wort“



München (APA/AFP/dpa) - Die Tochter eines vom NSU ermordeten Migranten hat die Erklärung der Hauptangeklagten Beate Zschäpe im Münchner NSU-Prozess als „total konstruiert“ bezeichnet und die Entschuldigung der mutmaßlichen Rechtsterroristin zurückgewiesen. Mit ihrer Erklärung am Mittwoch vor Gericht versuche Zschäpe, „sich aus der Verantwortung zu ziehen“, erklärte die Nebenklägerin Gamze Kubasik.

„Dieser Aussage glaube ich kein Wort. Meine von vornherein geringen Hoffnungen, dass mit dieser Erklärung endlich die genauen Umstände des Mordes an meinem Vater aufgeklärt werden, sind enttäuscht.“ Gamze Kubasik ist die Tochter des im April 2006 in Dortmund ermordeten Kioskbetreibers Mehmet Kubasik. Zschäpe hätte in ihrer Erklärung „vieles beantworten können“, unterstrich die Nebenklägerin. „Sie hat jedoch nach einer sehr langen Verhandlung jetzt einfach versucht, ihre Rolle herunter zu spielen. Für mich ist das reine Taktik und wirkt total konstruiert.“

Gamze Kubasik erklärte dazu: „Die angebliche ‚Entschuldigung‘ für die Taten von Mundlos und Böhnhardt nehme ich nicht an.“ Diese Äußerung Zschäpes sei „eine Frechheit, vor allem wenn sie dann noch verbunden wird mit der Ansage, keine unserer Fragen zu beantworten“.

Auch der Opferanwalt Mehmet Daimagüler erklärte, die Aussage Zschäpes sei unglaubwürdig. Zschäpe habe ein „Lügenkonstrukt“ vorgelegt. „Ich habe ihr heute kein Wort geglaubt“, sagte Daimagüler.

Der Nebenklage-Anwalt Stephan Lucas sagte: „Heute hat man sehr gut verstehen können, warum es manchmal klug ist, einfach den Mund zu halten.“ Er ergänze: „Wenn das alles ist, was Frau Zschäpe uns zu sagen hatte, dann hätte sie besser gar nichts gesagt.“

Bundesanwalt Herbert Diemer sagte: „Wir werden diese Einlassung natürlich genauestens prüfen.“ Sie sei „ein Beweismittel unter vielen“. Eine Bewertung wolle er noch nicht vornehmen. „Alles andere wäre unprofessionell.“

(Berichtigung im letzten Satz des dritten Absatzes: Entfallenes Wort „Verteidiger“ ergänzt)




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