Letztes Update am Mi, 09.12.2015 13:54

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Bild“: Büro von deutschem Kurienkardinal Müller durchsucht



Berlin/Vatikanstadt (APA/dpa) - Finanzermittler des Vatikans haben nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung die Büros des deutschen Kurienkardinals Gerhard Ludwig Müller durchsucht. Dabei seien 20.000 Euro Bargeld beschlagnahmt worden, berichtete das deutsche Blatt am Mittwoch unter Berufung auf Vatikankreise.

Jetzt ermittelten die Behörden des Kirchenstaats gegen den 67-jährigen Präfekten der Glaubenskongregation und früheren Bischof von Regensburg, schrieb „Bild“. Müller selbst dementierte umgehend: Gegen ihn werde nicht ermittelt, sagte er gegenüber „Kathpress“ in Rom.

Auch Vatikansprecher Federico Lombardi wies die Vorwürfe zurück. Im Zuge regulärer vatikaninterner Kontrollen seien zwar vor geraumer Zeit „einige Unregelmäßigkeiten“ in der Finanzverwaltung der Glaubenskongregation festgestellt worden, so Lombardi. Daraufhin habe man jedoch schon vor sechs Monaten die „nötigen Maßnahmen“ ergriffen.

„Die Oberen der Behörde, insbesondere Kardinal Müller, der fälschlicherweise in dem fraglichen Artikel angeführt wird, haben mit dieser Angelegenheit nichts zu tun.“

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Entschieden dementierte Müller die Behauptung, Gebühren für die Untersuchungen von Missbrauchsfällen seien für private Anschaffungen verwendet worden. Ebenso falsch sei, dass er der vatikanischen Buchhaltung die Akteneinsicht verweigert habe.

Die „Bild-Zeitung“ hatte in ihrer Mittwochausgabe behauptet, im Büro von Müllers Verwaltungsleiter seien bei einer Razzia 20.000 Euro Bargeld beschlagnahmt worden, weil deren Herkunft ungeklärt sei - angeblich befand sich das Geld hinter einer Dose mit Würsteln. Daraufhin seien Ermittlungen gegen Müller eingeleitet worden. Es bestehe der Verdacht, dass das Geld auch für private Anschaffungen verwendet worden sei.

Der Bericht behauptet, es handle sich um Einnahmen aus Gebühren aus Diözesen weltweit, die für die Untersuchung von Missbrauchsfällen anfallen. Richtig sei, so Müller, dass für die Aufgaben in der Ehe- und Disziplinarabteilung seiner Kongregation von den Diözesen ein Beitrag erbeten werde. Dieser fließe jedoch stets und vollständig in den Gesamthaushalt der Kongregation ein, so der Kardinal.

Wie „Bild“ weiter berichtete, wurde der Verwaltungsleiter vorübergehend suspendiert. Laut Zeitung hatte der päpstliche Generalbuchprüfer den Kardinal bereits im Frühjahr aufgefordert, Auskunft über die Finanzverhältnisse seiner Behörde zu geben. Der Kardinal habe sich aber geweigert, Unterlagen herauszugeben.




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