Letztes Update am Mi, 09.12.2015 14:12

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Ifo: Flüchtlinge bringen kurzfristigen Wachstumsimpuls in Deutschland



Berlin (APA/Reuters/dpa) - Der Zustrom an Flüchtlingen bringt der deutschen Wirtschaft nach Prognose des Ifo-Instituts kurzfristig mehr Wachstum, belastet langfristig aber eher. Die staatlichen Milliardenausgaben für Asylbewerber dürften den Konsum ankurbeln, erklärte die Ökonomen am Mittwoch in Berlin.

Sie erhöhten deshalb ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im kommenden Jahr von 1,8 auf 1,9 Prozent. 2015 und 2017 sollen es jeweils 1,7 Prozent sein. „Der verhaltene Aufschwung der deutschen Wirtschaft setzt sich fort“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die Gründe seien außer den staatlichen Konsumausgaben für die Flüchtlinge der niedrige Ölpreis und die weiterhin niedrigen Zinsen, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Die Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft sind äußerst günstig“, fügte er hinzu.

Zu den Chancen der Neuankömmlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt äußerte Sinn sich skeptisch. Ein Großteil von ihnen komme „aus Ländern mit einem nicht funktionierenden Bildungssystem“. Die Integration in den Arbeitsmarkt werde „extrem schwierig sein“. Das Ifo-Institut sagt deshalb nach jahrelangem Rückgang wieder einen Anstieg der Arbeitslosenzahl voraus - zunächst gering um 23 000 im Jahr 2016, dann aber kräftiger um etwa 300.000 auf 3,12 Millionen im Jahr 2017.

Sinn warnte vor einer Überschätzung der kurzfristigen Wachstumseffekte durch die Flüchtlinge. „Das ist nur eine zeitliche Verlagerung der Nachfrage“, warnte er. Der positive Effekt würden nur zwei, drei Jahre anhalten. Unter dem Strich werde der Zustrom von Menschen, die großteils nicht oder nur wenig qualifiziert für den Arbeitsmarkt seien, für den Staat ein Zuschussgeschäft. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser beurteilte die Chancen der Migranten auf dem Arbeitsmarkt ebenfalls eher pessimistisch.

Die öffentlichen Finanzen werden von der Flüchtlingskrise erheblich belastet, erwartet das Ifo-Institut. Der Einnahmeüberschuss des Staates werde von 31,4 Mrd. Euro im laufenden auf 12,4 Mrd. Euro im nächsten Jahr und auf lediglich 0,1 Mrd. Euro 2017 sinken. Seine Kritik an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und ihrer jüngsten weiteren Lockerung erneuerte der scheidende Ifo-Chef Sinn. Inzwischen gebe es nicht nur in Deutschland, sondern auch auf Euro-Ebene ein „erhebliches Inflationspotenzial“. Mit Blick auf die jüngste Ausweitung der EZB-Anleihenkäufe folgerte er: „Insofern besteht da jetzt kein Anlass, nachzulegen.“ Eine Null-Zins-Politik lasse im Übrigen jede Disziplin bei einer Verschuldung sinken. Insgesamt gehe die EZB-Geldpolitik zulasten Deutschlands und seiner Sparer.




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