Letztes Update am Mi, 09.12.2015 14:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


VW - Weniger CO2-Schwindel, Konsequenzen von Stickoxid-Pfusch offen



Wolfsburg (APA/dpa) - Von den falschen CO2-Abgaswerten und damit falschen Spritverbrauchsangaben bei VW sind laut dem Konzern doch weniger Autos betroffen als befürchtet. Statt rund 800.000 Fahrzeugen in Deutschland könnten nach erneuten Prüfungen durch das dortige Kraftfahrt-Bundesamt, das Berliner Verkehrsministerium und VW nur rund 36.000 betroffen sein.

Zahlen für Österreich gab es am Mittwoch keine, wie es vom Generalimporteur, der Porsche Holding Salzburg, auf Anfrage hieß.

„Abweichungen wurden in den internen Messungen nur bei neun Modellvarianten festgestellt“, teilte VW am Mittwoch in Wolfsburg mit. Vier der Modellvarianten werden in Österreich nicht angeboten, wie aus einer Liste der betroffenen Autos hervorgeht. Hierzulande betroffen sind zwei Golf-Varianten, zwei Jetta-Typen und eine Ausführung des Passat-Variant.

Der Verdacht auf rechtswidrige Veränderung der Verbrauchsangaben habe sich nicht bestätigt, hieß es weiters vom Konzern. Trotz des geringeren Ausmaßes der CO2-Falschangaben bei Volkswagen hält das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) aber an vorgesehenen Nachmessungen fest. Die Behörde hatte nach Bekanntwerden möglicher Abweichungen angeordnet, dass die CO2-Werte der betroffenen Fahrzeuge neu festzustellen sind. „Diese Messungen werden ungeachtet der nunmehr vorliegenden Bewertung durch Volkswagen in vollem Umfang durchgeführt“, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums am Mittwoch in Berlin.

Mit Blick auf die vielen anderen aktuellen Großbaustellen bei Europas größtem Autobauer VW löst die gute Nachricht, die am Mittwoch praktisch zeitgleich mit der Krisensitzung des VW-Aufsichtsrates, veröffentlicht wurde, aber nur ein Problem.

Nach wie vor ungeklärt sind die finanziellen und strafrechtlichen Konsequenzen der Manipulationen von Stickoxidwerten bei weltweit mehr als elf Millionen Diesel-Fahrzeugen aus dem VW-Konzern.

Die internen Messergebnisse sollen nun bis Weihnachten nochmals unter behördlicher Aufsicht bei einem neutralen Technischen Dienst überprüft werden. Anschließend könnten alle Fahrzeuge, bei denen die Richtigkeit der Angaben bestätigt werde, „uneingeschränkt angeboten und verkauft werden“. Für alle anderen müssten die Genehmigungswerte im Rahmen „üblicher Prozesse“ zunächst noch angepasst werden. Ähnliche Fälle habe es in der Vergangenheit auch bei VW und anderen Autoherstellern bereits gegeben.

Nach Angaben von Volkswagen stoßen die besagten neun Modellvarianten entsprechend des gültigen Europäischen Prüfzyklus auf dem Prüfstand „im Mittel nur wenige Gramm CO2“ mehr aus als bis jetzt angegeben. Dies entspreche zugleich einer Erhöhung des Verbrauchs im Messzyklus von etwa 0,1 bis 0,2 Liter auf 100 Kilometer. Für den Einsatz auf der Straße bleibe aber alles beim alten: „Die Realverbrauchswerte der Kunden ändern sich nicht, zudem sind keine technischen Maßnahmen an den Fahrzeugen notwendig“, hieß es weiter.

„Es gab anfangs Unplausibilitäten“, sagte ein VW-Sprecher, „und es gab Mitteilungen von Mitarbeitern, die sich nicht sicher waren, ob bei Messungen alles mit rechten Dingen zugegangen war.“ Eine Hochrechnung habe dann ergeben, dass 800.000 Autos betroffen sein könnten. Der Verdacht habe sich aber nun nicht bestätigt.

Damit dürften auch die von VW zunächst auf 2 Mrd. Euro geschätzten Kosten für die Kohlendioxid-Unregelmäßigkeiten deutlich geringer ausfallen. Die ursprüngliche erwartete Ergebnisbelastung habe sich damit nicht bestätigt, betonte VW. Unklar sei aber, ob dennoch wirtschaftliche Belastungen entstünden. Dies hänge von den Nachmessungen ab. Am 3. November hatte der Konzern erstmals von den Unregelmäßigkeiten berichtet und dabei zunächst von 800.000 betroffenen Autos gesprochen.

Zumindest am Aktienmarkt stieß die Nachricht umgehend auf positives Echo: Die Aktie legte zwischenzeitlich um knapp fünf Prozent zu. Anfang November war die VW-Aktie nach Bekanntwerden des Verdachts auf CO2-Falschangaben um zeitweise annähernd 11 Prozent abgesackt.

VW hatte dafür bisher nur für die technischen Nachbesserungen rund 6,7 Mrd. Euro eingeplant, mögliche Schadensersatz- und Strafzahlungen in zweistelliger Höhe sind dagegen noch nicht berücksichtigt. Schätzungen für die Kosten des Abgas-Skandals für den Konzern beginnen bei 20 bis 30 Mrd. Euro.

~ ISIN DE0007664039 WEB http://www.volkswagenag.com ~ APA371 2015-12-09/14:18




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