Letztes Update am Mi, 09.12.2015 14:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rechnungshof sieht Planung der Linzer Med-Fakultät kritisch



Linz (APA) - Der Rechnungshof sieht die Planung der neuen Medizinfakultät der Uni Linz kritisch. Für dessen Prüfer sind der Bedarf, die Finanzierung und Wirksamkeit fraglich, ist einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht zu entnehmen.

Aus der Sicht des Rechnungshofes habe eine vom Nationalrat beauftragte Ärztebedarfsstudie keine Empfehlung zur Errichtung einer neuen medizinischen Universität oder Fakultät enthalten. Denn Österreich weise eine steigende Anzahl der berufstätigen Ärzte sowie im internationalen Vergleich Spitzenwerte im Bereich der Ärztedichte und der graduierten Mediziner auf. Im OECD-Vergleich seien Österreichs Ärzte verhältnismäßig jung. Österreich bilde in erheblichem Ausmaß Ärzte für das Ausland aus - bis zu rd. 40 Prozent der Absolventen eines Jahrgangs stünden für die ärztliche Versorgung in Österreich nicht zur Verfügung. Die Prüfer empfehlen, die Gründe zu erheben, warum Absolventen abwandern und Maßnahmen zu setzen, um sie in Österreich zu halten.

Ein Mehrbedarf an Ärzten wäre laut Rechnungshof auch durch den Ausbau der bestehenden Standorte zu decken gewesen. Die dennoch - als fünfter Standort zur medizinischen Universitätsausbildung - geschaffene Med-Fakultät der Uni Linz solle bis 2017 rund 630 Mio. Euro kosten. Rund 187 davon sollen vom Land Oberösterreich und den Gemeinden kommen, obwohl diese Gebietskörperschaften laut Verfassung nicht für die Finanzierung von Universitäten zuständig sind, stellt der Rechnungshof fest. Weil, als das Medizin-Studium an der Linzer Uni mit dem Wintersemester 2014/2015 startete, 58 Prozent der zugelassenen Personen aus Oberösterreich stammten, bedeute dies, dass nur etwas mehr als die Hälfte der von Oberösterreich getätigten Investitionen auch tatsächlich Oberösterreichern zugutekomme.

Der Rechnungshof vermisst weiters penible Vertragsbestimmungen in den Vereinbarungen über die Finanzierung zwischen dem Land und dem Bund sowie mit der Stadt Linz, dem Gemeindebund und der Medizinischen Universität Graz, wo das Linzer Studium startete. Dies enthalte Konfliktpotenzial.

Die Wissenschaftssprecherinnen der Grünen, Sigrid Maurer, und der NEOS, Claudia Gamon, sahen sich in Stellungnahmen durch den Rechnungshof in ihrer bisherigen Kritik bestätigt. Für Maurer ist das Projekt Medizin-Fakultät Linz weder hochschul- noch gesundheitspolitisch notwendig, sondern lediglich der Wunsch des Landeshauptmanns Pühringer und ein „Kniefall“ von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (beide ÖVP) gegenüber seinem Herkunftsbundesland. Für Gamon wurde der Expertenkritik im Vorfeld in keiner Weise Rechnung getragen und die Errichtung der Fakultät sei von Bauchgefühl und nicht strategischer Planung bestimmt.




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