Letztes Update am Mi, 09.12.2015 16:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hypo-Strafprozess - Zeuge: „Zahlung war nicht verdächtig“



Klagenfurt (APA) - Der Hypo-Untreue-Prozess rund um eine Zahlung von 240.000 Euro an Walter Wolf ist am Mittwochnachmittag am Landesgericht Klagenfurt mit Zeugeneinvernahmen fortgesetzt worden. Geladen waren drei ehemalige Hypo-Mitarbeiter. Auf der Anklagebank sitzen die beiden Ex-Hypo-Vorstände Wolfgang Kulterer und Josef Kircher. Der Prozess wurde auf kommenden Dienstag vertagt.

Als Zeuge sagte unter anderem ein ehemaliger Mitarbeiter des Hypo-Konzernrechnungswesens aus. Bei der Erstellung des Jahresabschlusses 2007 war ihm aufgefallen, dass noch eine Forderung gegenüber der Firma Jacques Lemans bestand. Nach Rücksprache mit dem Konzernvorstand erhielt er die Anweisung, die Forderung auszubuchen, weil sie nicht mehr bestehen würde. Die Zahlung an Jacques Lemans sei ihm nicht verdächtig vorgekommen, sagte er: „Dass es sich um eine Scheinrechnungen gehandelt haben könnte, habe ich nicht vermutet.“

Ein weiterer Zeuge konkretisierte, wie im Jahr 2008 der Kontakt mit Jacques Lemans aussah: „Wir haben erst per Mail nachgefragt, was es mit der offenen Forderung auf sich hatte - das blieb aber unbeantwortet.“ Erst als man telefonisch nachfragte, bekam man den Hinweis, dass man mit dem Vorstand in Kontakt treten solle.

In dem Prozess geht es um eine Zahlung der Hypo an Ex-Formel-1-Rennstallbesitzer Walter Wolf in Höhe von 240.000 Euro. Laut Staatsanwaltschaft hatte es für die Zahlung an Wolf keine Berechtigung gegeben. Die Hypo hatte das Geld an den Kärntner Jacques-Lemans-Chef Alfred Riedl überwiesen, dieser leitete den Betrag an Wolf weiter.

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Kulterer hatte am Mittwochvormittag erneut beteuert, dass er sich für die - von ihm freigegebene - Überweisung eine Uhrenlieferung erwartet hätte. Er habe angenommen, das Geld werde für Marketingzwecke verwendet. Kircher hatte jedoch ausgesagt, dass von Anfang an geplant war, dass Wolf einer Hypo-Tochter für dieses Geld ein Grundstück in Kroatien überschreiben sollte - und Kulterer sei über diese Vorgangsweise informiert gewesen.

Vor der Zahlung hatte es Streitigkeiten zwischen der Hypo und Wolf gegeben. Wolf sei mit einem ausgehandelten Vergleich (die Zahlung von einer Million Euro und die Ausbuchung eines Kredits in Höhe von einer weiteren Million) mit der Hypo nicht zufrieden gewesen und habe gedroht, mit brisanten Informationen über die Hypo an die Öffentlichkeit zu gehen. Um Wolf zu besänftigen und ihm Liquidität zu verschaffen, habe man sich für den Ankauf des Grundstücks entschieden, sagte Kircher aus. Wolf war auch als Beschuldigter geladen, die Verhandlung gegen ihn wurde aber ausgeschieden, da er laut Verteidigung aus medizinischen Gründen nicht reisefähig ist.

Am nächsten Prozesstag, dem 15. Dezember, soll auch Jacques-Lemans-Chef Riedl als Zeuge befragt werden.

~ WEB www.heta-asset-resolution.com ~ APA487 2015-12-09/16:11




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