Letztes Update am Mi, 09.12.2015 16:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Junger Elsässer war dritter Selbstmordattentäter von Bataclan



Straßburg (APA/AFP) - Ein junger elsässischer Jihadist mit Syrien-Bürgerkriegserfahrung ist der bisher unbekannte dritte Angreifer auf die Pariser Konzerthalle Bataclan. Die Ermittler identifizierten den 23-jährigen Foued Mohamed Aggad als einen der Selbstmordattentäter, wie Premierminister Manuel Valls am Mittwoch bestätigte.

Er konnte nach einem Hinweis seiner Mutter durch DNA-Spuren identifiziert werden. Sein Vater äußerte sich entsetzt über die Beteiligung seines Sohns an den Anschlägen.

Drei Selbstmordattentäter hatten bei der Attacke auf das Bataclan während eines Rockkonzerts am 13. November 90 Menschen getötet. Während zwei der toten Angreifer rasch identifiziert wurden, blieb die Identität des dritten Islamisten zunächst unklar. Ende November bekam Foued Mohamed Aggads Mutter dann nach Angaben ihrer Anwältin eine SMS von seiner Frau aus Syrien mit der Nachricht: „Dein Sohn ist mit seinen Brüdern am 13. November als Märtyrer gestorben.“ Die alarmierten Behörden konnten die Identität Ende vergangener Woche anhand von DNA-Spuren bestätigen.

Mohamed Aggad, der in der nahe der deutschen Grenze gelegenen Gemeinde Weißenburg (Wissembourg) aufwuchs, war den Sicherheitsbehörden wegen einer islamistischen Radikalisierung bekannt. Auch bei der internationalen Polizeiorganisation Interpol war er gemeldet. Er reiste Ende 2013 zusammen mit seinem Bruder und einer Gruppe von Freunden aus dem Straßburger Problemviertel Meinau nach Syrien. Einige flogen zunächst von Frankfurt aus in die Türkei und überquerten dann die Grenze in das Bürgerkriegsland.

Aus der Gruppe wurden zwei Brüder im Kampf an der Seite der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) getötet, die sich zu den Anschlägen von Paris bekannt hat. Sieben weitere Mitglieder der Gruppe reisten Anfang 2014 nach Frankreich zurück. Sie wurden im Mai desselben Jahres in Straßburg festgenommen, ihnen soll der Prozess gemacht werden. Foued Mohamed Aggad blieb zunächst als einziger in Syrien. Unklar war zunächst, wie und wann er nach Frankreich zurückkehrte.

Der Vater des 23-Jährigen zeigte sich am Mittwoch überrascht und entsetzt über die Beteiligung seines Sohns an den Anschlägen von Paris mit insgesamt 130 Toten. Wenn er von den Plänen seines Sohnes gewusst hätte, „hätte ich ihn vorher getötet“, sagte er vor seinem Haus im Straßburger Vorort Bischheim zu Journalisten.

„Ich wusste, dass er vor zwei Jahren nach Syrien gegangen, aber nicht, dass er zurückgekehrt war“, sagte Said Mohamed Aggad. Er habe mit seinem Sohn immer wieder telefoniert und ihn dabei vergebens zu einer Rückkehr nach Frankreich aufgefordert. Die Eltern des Attentäters sind geschieden. Foued Mohamed Aggad lebte einem Nachbarn zufolge bis zu seiner Ausreise nach Syrien bei seiner Mutter in Weißenburg.

Damit ist nun klar, dass alle drei Angreifer auf das Bataclan sich zuvor in Syrien aufgehalten hatten: Auch der 28-jährige Samy Amimour aus dem Pariser Vorort Drancy und der 29-jährige Omar Ismail Mostefai aus dem Pariser Vorort Courcouronnes waren in das Bürgerkriegsland gereist. Bisher wurden sechs der Angreifer von Paris identifiziert, unter ihnen der belgisch-marokkanische Islamist Abdelhamid Abaaoud. Die Leichen von drei Angreifern konnten noch niemandem zugeordnet werden. Der 26-jährige Salah Abdeslam wir weiterhin gesucht.

(NEU: weitere Angaben zum Selbstmordattentäter, Vater hätte Sohn am liebsten „getötet“, SMS zum Tod des Dschihadisten)




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