Letztes Update am Do, 10.12.2015 08:48

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


UNIQA dreht in Lebensversicherung an vielen Rädchen



Wien (APA) - Damit in der Lebensversicherung trotz der Niedrigzinsen die Verpflichtungen gegenüber den Kunden weiterhin erfüllbar bleiben, ist an vielen Rädchen zu drehen. Es geht um die „richtige“ Veranlagung, aber auch um Zurückhaltung bei Zinsversprechen. Höher verzinste Altverträge werden bei der UNIQA nicht mehr verlängert, zudem bastelt der Konzern an neuen Produkten.

Bis die höher verzinsten Altverträge aus dem Bestand verschwinden, dauert es freilich noch einige Zeit. Während die heimische Assekuranz in der klassischen Versicherung die durchschnittliche Verzinsung des Bestands von aktuell 2,7 Prozent auf demnächst 2,5 Prozent senken kann, arbeitet die UNIQA an einer Reduktion von 2,5 bis 2,2 Prozent bis 2020, sagte UNIQA-Chief Finance und Risk Officer (CFO/CRO) Kurt Svoboda am Mittwochabend. Bis 2020 würden damit 38 Prozent der Verträge mit einem Garantiezins von 3 Prozent oder mehr ablaufen. Seit Anfang 2015 bietet die UNIQA die „Klassische“ nur noch mit Null Garantiezins an, das Produkt ist dennoch ein Renner: Bis September gingen 31.000 Neupolizzen weg, um 15 Prozent mehr als erwartet und um 6 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum vom alten Produkt verkauft wurden. Erlaubt wären heuer laut FMA-Verordnung noch bis zu 1,5 Prozent Zinszusage, ab 2016 nur noch 1,0 Prozent.

Der Rückgang des veranlagten Volumens um 2,3 Mrd. Euro - von 10,9 auf 8,6 Mrd. Euro - von 2014 bis 2020 bei der UNIQA in Österreich führe zu einer erheblichen Senkung des Risikokapitals, so Svoboda. Überdies liege die heimische Assekuranz mit ihren Zinszusagen 30 bis 40 Basispunkte unter den deutschen Branchenkollegen, „wir sind daher in einer besseren Position“. Bis 40 BP Zins im Bestand durch Polizzenabreifungen abgearbeitet sind, dauert es bei der UNIQA sechs Jahre.

Intensiv zerbricht sich die UNIQA den Kopf über neue Angebote für Kunden. „Wir wollen nicht weg von der klassischen Lebensversicherung, aber wir suchen Produkte, die noch darstellbar sind“, sagt UNIQA-Versicherungsmathematiker Rene Knapp. Einmalerläge nimmt man schon fast das ganze Jahr nicht mehr an, außer es wird gleich eine Verrentung für danach fixiert. Es gehe um die Weiterentwicklung nachhaltig finanzierbarer Garantieprodukte, die Stärkung von Fondspolizzen sowie um flexible Vorsorgelösungen bei Entsparprodukten (Rentenversicherung).

Um die Abhängigkeit vom Kapitalmarkt weiter zu senken, könnte man auch biometrische Produkte forcieren. Knapp verweist dazu aufs Beispiel Großbritannien, wo Versicherungsnehmer mit schlechterem Gesundheitszustand mit einer höheren Rentenauszahlung rechnen können; möglich sei das aber nur angesichts des Obligatoriums einer Verrentung oder einem hohen Anteil von Verrentungen, sonst werde eine negative Auslese gefördert; in Österreich ließen sich am Ende der Laufzeit aber drei Viertel ihre Ansprüche gleich auf einmal auszahlen, so Knapp zur APA.

Bei den Kunden komme die neue Lebensversicherung von UNIQA Österreich und Raiffeisen Versicherung, die die Nettosparprämie abzüglich der Versicherungssteuer zu jeder Zeit garantiere - aber auch nicht mehr - gut an. Auch der Vertrieb, also die Makler, für die es weniger Provision gibt, seien mit im Boot, das würden die Absatzzahlen beweisen, so Knapp. Vorteil des relaunchten Produkts seien für die Kunden die höheren Rückkaufswerte als bisher, die jederzeit möglichen Aufstockungen (bisher nur zur Hauptfälligkeit), die jederzeit möglichen Zuzahlungen (waren früher ausgeschlossen) sowie die möglichen Entnahmen während der Laufzeit. Es gebe keine Abschlussprovision mehr, sondern nur eine akkontierte Folgeprovision. Unterjährigkeitszuschläge gebe es nicht mehr, und die Kostenentnahme erfolge aus der Rückstellung (bisher aus der Prämie).

Ausgezahlt habe sich bei der UNIQA der in den letzten Jahren vollzogene Schwenk hin zu langfristigen Veranlagungen, der viel an Kapitalkosten erspart habe, sagte Svoboda vor Journalisten. Kurze Veranlagungen wären schlimm gewesen, dann würde man in Probleme bei der Bedeckung der künftigen Verbindlichkeiten hineinlaufen. 85 Prozent des Rohüberschusses aus gewinnberechtigten Verträgen müssen an die Kunden weitergereicht werden; „aus den Kundengeldern dürften wir keine Erträge abschöpfen“, wird betont. Gäbe es hier Verluste, müsste diese das Versicherungsunternehmen tragen. Zudem wäre der Deckungsstock in einem Konkursverfahren eine Sondermasse, bevorrangt gegenüber den anderen Konkursforderungen.

In Österreich verfügt die UNIQA als Nummer 2 am heimischen Versicherungsmarkt über Rückstellungen von 11 Mrd. Euro (davon 4,3 Mrd. Euro bei UNIQA Österreich mit im Schnitt 2,7 Prozent Garantie und 6,6 Mrd. Euro bei der Raiffeisen Versicherung mit durchschnittlich 2,4 Prozent). Bei UNIQA Österreich beträgt die gewichtete Restlaufzeit 12 Jahre, bei der RV 9 Jahre.

Die gesamten Verbindlichkeiten der UNIQA-Gruppe gegenüber ihren Kunden machen 25 Mrd. Euro aus, davon allein 19,4 Mrd. Euro in der Sparte Leben. Von den 19,4 Mrd. Euro entfallen drei Viertel (14,5 Mrd. Euro) auf die „Klassische“, der Rest auf Fonds- und Indexpolizzen (der Finance Life), die hier keine Rolle spielen, da das Risiko beim Kunden liegt. Bei der „Klassischen“ der UNIQA Österreich liegen 49 Prozent der Kundengelder in Staatsanleihen, 17 Prozent in Corporate Bonds, 13 Prozent in Pfandbriefen und zum Beispiel nur 7 Prozent in Immobilien. Über die Hälfte der Gelder steckt in Anlagen mit AAA- oder AA-Ratings, also im Topsegment; tiefer klassifizierte Assets sind für höhere Erträge beigemischt, teils hat sich auch das Rating in der Laufzeit verändert. Im 3. Quartal erwirtschaftete der UNIQA-Konzern im Schnitt 3,2 Prozent Rendite.

Der gesamten Branche hat die Finanzmarktaufsicht (FMA) heuer wegen der anhaltenden Niedrigzinsen eine stärkere - und auch raschere - Aufstockung der Zinszusatzrückstellungen in der klassischen Lebensversicherung vorgeschrieben. Die Dotierung tragen je zur Hälfte die Versicherer und die Kunden, eine Auflösung der Vorsorgen käme den Versicherten zugute. Die seit 2013 zu bildende Rückstellung für Zinsverpflichtung muss nun im gesamten Sektor bis 2021 bei knapp 1,5 Mrd. Euro liegen, ursprünglich sollten 700 Mio. Euro binnen zehn Jahren zur Seite gelegt werden. 2014 hatte die Branche laut FMA insgesamt die ersten 149 Mio. Euro dotiert, und die Behörde schätzte im September, dass heuer weitere rund 180 Mio. Euro dazukommen. Davon stammen heuer laut Svoboda rund 30 Mio. Euro von der UNIQA, also ein Sechstel; für die gesamte Laufzeit komme die UNIQA aufs Zehnfache, also auf 300 Mio. Euro an Zinszusatzrückstellungen.

~ ISIN AT0000821103 WEB http://www.uniqagroup.com ~ APA069 2015-12-10/08:45




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