Letztes Update am Do, 10.12.2015 10:51

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundestheater Holding - Chronologie



Wien (APA) - Die Liste ihrer Bezeichnungen ist ebenso lang wie die der unterschiedlichen Kompetenzen: Vor der Ausgliederung der Bundestheater und der Gründung der Bundestheater Holding war der Verbund von Staatsoper, Burgtheater und Volkstheater unter verschiedenen Namen zusammengefasst.

Nach dem Zerfall der Monarchie übernahm die Republik Österreich die Verwaltung der einstigen Hoftheater (Burgtheater und Staatsoper). Pläne zur Ausgliederung und Unabhängigkeit der Bühnen wurden schon in den 1920er Jahren angedacht, jedoch in den folgenden 70 Jahren nicht umgesetzt. 1920 wurde die Staatstheaterverwaltung gegründet, 1921 wurde sie in Bundestheaterverwaltung umbenannt, 1926 in Generaldirektion der österreichischen Bundestheater. 1931 bis 33 wurde die Generaldirektion in Generalintendanz umbenannt, 1933 erfolgte die Rückverwandlung in Bundestheaterverwaltung. 1938 bis 1946 unterstanden die Theater der Verwaltungseinheit Staatstheater und Bühnenakademie in Wien. Nach dem Zweiten Weltkrieg war wieder die Bundestheaterverwaltung in Kraft.

Die wesentlichsten Etappen seither:

1971: Die Bundestheaterverwaltung wird in den Österreichischen Bundestheaterverband umgewandelt, die Leitung den jeweiligen Direktoren, einem Direktor für kulturelle Angelegenheiten und dem Generalsekretär übertragen. Letzterem obliegt die „zusammenfassende Leitung der Bundestheater in kommerzieller, administrativer, personeller, technischer und organisatorischer Hinsicht“. Als Generalsekretär fungiert zunächst Robert Jungbluth, 1988 folgt ihm Rudolf Scholten. Georg Springer wird Generalsekretär-Stellvertreter, 1991 Generalsekretär.

1996: Unter der SPÖ-ÖVP-Koalition wird unter Beiziehung einer Unternehmensberatungsfirma und nach Durchführung eines parlamentarischen Hearings mit Experten eine Strukturreform der Bundestheater initiiert.

Juli 1998: Die Strukturreform wird mit dem Bundesgesetz über die Neuorganisation der Bundestheater (Bundestheaterorganisationsgesetz) beschlossen.

1. September 1999: Die Ausgliederung tritt in Kraft. Fortan sind die Bundestheater als ein aus fünf eigenständigen Gesellschaften bestehendes Unternehmen organisiert. Die Holding steht zu 100 Prozent im Eigentum des Bundes und bildet mit ihren Tochtergesellschaften (Burgtheater, Wiener Staatsoper, Volksoper Wien und der Theaterservice GmbH) den Bundestheaterkonzern. Sie ist Alleingesellschafterin der Tochtergesellschaften mit Ausnahme der Theaterservice GmbH, an der sie einen Anteil von 51,1 Prozent hält. Die verbleibenden 48,9 Prozent befinden sich zu je 16,3 Prozent im Eigentum von Burgtheater, Volksoper und Staatsoper. Die Theaterservice GmbH ist wiederum Eigentümerin der Art for Art Kreativ-Werkstätten GmbH.

Georg Springer, zum damaligen Zeitpunkt Generalsekretär des Bundestheaterverbands, wird zum Chef der Holding ernannt. Der Aufteilungsschlüssel für die Häuser wird vereinbart: Das Budget beträgt 1,839 Milliarden Schilling (133,65 Mio. Euro). Davon bekommt das Burgtheater 32,75 Prozent, die Staatsoper 38,86 Prozent und die Volksoper 24,75 Prozent, die Holding 3,64 Prozent.

Jänner 2001: Bei der ersten Bilanzpressekonferenz gibt Springer einen Bilanzgewinn von 6,4 Millionen Schilling (rund 465.000 Euro) bekannt. Zugleich warnt Springer jedoch vor künftigen Engpässen: Spätestens in der übernächsten Saison würde dringender Nachbesserungsbedarf bei der Basisabgeltung des Bundes bestehen. In den Folgejahren verschärfen sich die vor allem aus steigenden Personalkosten und gleichbleibenden Basisabgeltungen entstehenden finanziellen Probleme.

März 2013: Dank Auflösung von Rücklagen bilanziert der Bundestheater-Konzern für das Geschäftsjahr 2011/12 mit einer schwarzen Null. Springer warnt jedoch vor der Zukunft: „Seit der Ausgliederung im September 1999 haben wir eine lange Strecke zurückgelegt. Der Tank ist leer. Wir fahren auf Reserve und noch ist keine Tankstelle in Sicht.“

In weiterer Folge entpuppt sich das Burgtheater als Hauptverursacher der finanziellen Probleme.

16. Mai 2013: Bei der Spielplan-Präsentation für die Saison 2013/14 sagt Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann: „Der Tag, an dem es nicht mehr geht, ist bereits verstrichen.“

11. November 2013: Im Zuge einer Gebarungsprüfung der von Silvia Stantejsky als kaufmännische Geschäftsführerin verantworteten Geschäftsjahre treten Ungereimtheiten auf, die nicht geklärt werden können. Stantejsky wird suspendiert und in weiterer Folge fristlos entlassen.

17. Dezember 2013: Thomas Königstorfer, seit Mai amtierender neuer kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters, informiert die Bundestheater-Holding darüber, dass der Jahresverlust bei 8,5 Mio. Euro liegen könnte - dazu könnten noch Steuernachzahlungen in Millionenhöhe kommen.

27. Februar 2014: Der Endbericht von KPMG wird von Holding-Chef Springer in einer Pressekonferenz zusammengefasst vorgelegt, dieser belastet Silvia Stantejsky schwer. Der Verdacht auf Urkunden-, Beweismittel- und Bilanzfälschung, Geldwäsche und Untreue hat sich demnach erhärtet, die Staatsanwaltschaft wird eingeschaltet. Springer räumt eine Mitverantwortung für die Krise ein, Hartmann weist weiter jede Verantwortung von sich. Stantejsky wehrt sich gegen die Vorwürfe und sieht sich als „Sündenbock“.

5. März 2014: Der neue Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) ersucht den Rechnungshof um Überprüfung der Geschäftsgebarung des Burgtheaters und der „damit verbundenen Aufgaben der Kontrolle durch die Bundestheater-Holding“ von 2008/09 bis 2012/13. Die neun Punkte umfassen u.a. die Bilanzdarstellung, die Darstellung der Liquidität, die Wahrnehmung der Betriebsführung sowie die Personalpolitik und Führungsstruktur.

11. März 2014: Ostermayer zieht die Konsequenzen aus der Finanzaffäre des Burgtheaters und entlässt Direktor Matthias Hartmann, der daraufhin rechtliche Schritte ankündigt. Georg Springer legt indes alle Aufsichtsratsfunktionen zurück, bleibt aber Geschäftsführer der Bundestheater-Holding. Holding-Prokurist Othmar Stoss folgt Springer in den Aufsichtsräten nach.

19. März 2014: Karin Bergmann wird zur Interimschefin des Burgtheaters bestellt.

8. Mai 2014: Bundestheater-Holding-Geschäftsführer Georg Springer legt den Geschäftsbericht 2012/13 vor, in dem ein Bilanzverlust von 22,261 Mio. Euro ausgewiesen ist. Die finanzielle Lage der Bundestheater sei dramatisch. Den zusätzlichen Finanzbedarf für 2014/15 bezifferte er mit zwischen 12,5 und 16,9 Mio. Euro. Erstmals seien Angebotsreduktionen in den Diskussionen nicht Tabu, zusätzlich werde überlegt, auf die Immobilien der Bundestheater zurückzugreifen.

23. Juni 2014: Georg Springer kündigt seinen Rücktritt mit Ende Juni an. Er habe sich zu diesem Schritt entschlossen, „um eine Versachlichung der Diskussion um die Bundestheater-Holding zu ermöglichen“, heißt es in einer Erklärung Springers, der damit seinen Pensionsantritt um ein halbes Jahr vorgezogen hat. Springers Stellvertreter Othmar Stoss übernimmt vorübergehend die Geschäfte.

1. September 2014: Günter Rhomberg, ehemaliger Präsident der Bregenzer Festspiele, wird interimistischer Geschäftsführer der Bundestheater-Holding. Bereits vor seinem Antritt sagt er klar: Trotz der vernichtenden Rechnungshofkritik sieht er keine Alternative zur Holding. „Wenn eine zentrale Einheit fehlt und die Leistungen zum Ministerium zurückkehren, wird alles nur noch unklarer.“

9. Juli 2015: Die Novelle des Bundestheaterorganisationsgesetzes wird beschlossen. Durch sie werden die Kompetenzen zwischen Ministerium und Holding neu geordnet. Durch die Novelle erfolgt die Bestellung der kaufmännischen Geschäftsführung der Bühnengesellschaften künftig durch den Kulturminister statt durch die Holding. Dieser erhält auch die Kompetenz für die Aufteilung der finanziellen Mittel. Außerdem wird die Basisabgeltung der Bundestheater ab 2016 um 14 Mio. auf 162,9 Mio. Euro erhöht. Die Holding wiederum soll künftig Leistungs- und Zielvereinbarungen, sogenannte Dreijahrespläne, mit den Tochtergesellschaften abschließen.

10. Dezember 2015: Kulturminister Josef Ostermayer kürt mit Christian Kircher, zum Zeitpunkt der Bekanntgabe Finanzdirektor des Wien Museums, den neuen Holding-Chef. Für die ausgeschriebene Position hatten sich 16 Personen beworben.




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