Letztes Update am Do, 10.12.2015 11:09

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fußball: EM-Auslosung in Paris zwischen Terror und Politik



Paris (APA/dpa) - In Paris steht am Samstag (18:00 Uhr/live ORF eins) die Auslosung der EURO 2016 an. Frankreich ist ein fußballbegeistertes Land, doch scheint sich derzeit kaum jemand so richtig dafür zu interessieren, auf wen die „Equipe Tricolore“ bei der EM im kommenden Jahr treffen wird. Das Ereignis steht im Schatten von Terror und Regionalwahlen.

Obwohl die EM-Endrunde näher rückt, liegt es für die Franzosen in weiter Ferne. Noch hat man die Horrorbilder der Terrorserie von Paris vor Augen, bei denen am 13. November 130 Menschen ums Leben kamen. Auch im Stade de France in St. Denis, in dem am 10. Juni das Eröffnungsspiel und am 10. Juli das Finale ausgetragen wird, wollten die Attentäter Sprengsätze zünden.

Während des Testspiels zwischen Frankreich und Deutschland wollten mindestens zwei der drei Attentäter ins Stadion eindringen und unter den 80.000 Zuschauern vor laufender Kamera ein Blutbad anrichten. Keiner der Terroristen schaffte es in die Arena. Die Attentäter sprengten sich deshalb vor dem Stadium in die Luft und rissen dabei einen Passanten mit in den Tod.

Für die deutsche Delegation mit Teamchef Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff wird die EM-Auslosung daher ein Spagat zwischen Erinnerungen und Ausblick. „Ich glaube, dass wir alle den 13. November noch im Kopf haben. Diesen Tag und die Ereignisse vergisst man nicht so schnell“, sagte Bierhoff, der am Samstag auch in die Lostöpfe greift.

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Löw erhofft sich ein Signal weit über den Fußball hinaus. „Gemeinsam mit den Teilnehmern aus den anderen Nationen wollen wir in Paris dokumentieren, dass wir an unserer Lebensweise festhalten, die geprägt ist von Offenheit, Toleranz, Respekt, Solidarität und Freiheit. Wir lassen uns diese Werte nicht nehmen“, sagte Löw dem „Kicker“. „Frankreich wird ein hervorragender Gastgeber sein, in den nächsten Tagen genauso wie beim Turnier selbst“, sagte der Bundestrainer.

Die Auslosung findet im Palais des Congres statt, einer unschönen, gigantischen Kongress- und Veranstaltungshalle aus dem Jahr 1974. In ihr befinden sich Kinos, eine Einkaufsgalerie und diverse Konferenzsäle. Tausende von Menschen gehen hier täglich ein und aus.

Knapp vier Wochen nach den Terror-Anschlägen patrouillieren in dem Durcheinander von Gängen schwerbewaffnete Soldaten. Frankreich befindet sich seit dem 14. November im Ausnahmezustand. Nach der Anschlagsserie hat die sozialistische Regierung 10.000 Soldaten für den Kampf gegen den Terrorismus mobilisiert. An den Eingängen großer Kaufhäuser werden die Handtaschen durchsucht und für die Hauptstadt herrscht Versammlungsverbot.

Neben dem Terror und den Sicherheitsmaßnahmen ist aber auch die Politik ein heißes Thema in diesen Tagen. Am Tag nach der EM-Auslosung findet am Sonntag der zweite Durchgang der Regionalwahlen statt. Als stärkste Kraft ging beim ersten Urnengang am vergangenen Sonntag die rechtsextreme Front National (FN) hervor.

Nach den Attentaten wurde der Wahlkampf vorübergehend ausgesetzt. Nun läuft er auf Hochtouren. In Frankreichs Medien füllen Kommentare, Analysen und Debatten über den Triumph der FN die Seiten und Programme. Für die Auslosung der EM-Gruppen war bisher kaum Platz. Dass der suspendierte UEFA-Präsident Michel Platini im Zuge des FIFA-Skandals wohl nicht der Auslosung beiwohnen darf, hat deshalb auch kaum Beachtung gefunden.




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