Letztes Update am Do, 10.12.2015 12:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Christian Kircher 2 - Einarbeitungsphase „wohl selbstverständlich“



Wien (APA) - „Er ist nicht nur wirtschaftlich tätig gewesen, sondern war auch künstlerisch tätig“, führte Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) für den neuen Bundestheater-Holding-Chef bei der heutigen Pressekonferenz ins Treffen. Christian Kircher sei etwa Aufsichtsrat im Arnold Schoenberg Center und stellvertretender Obmann des Wiener Theatervereins, sondern auch als Chorsänger aktiv.

Kircher ist Mitglied im Schoenberg Chor und hat auch schon in der Volksoper und im Burgtheater gesungen. Er enthüllte heute schmunzelnd aber auch eine ungewöhnliche Beziehung zu einem prominenten Mitglied der Findungskommission: „Ich habe bei drei Opern mitgesungen, die Jürgen Flimm inszeniert hat.“

Max Kothbauer, der Vorsitzende der Findungskommission, lobte die „sehr schöne Aufgabe. Einzige Vorgabe war, wir sollen den neuen Chef an Günter Rhomberg messen.“ Das sei freilich nicht leicht gewesen. Doch man habe „sehr gute Kandidaten“ gehabt „wir hatten eher das Problem, auf eine Shortlist zu kommen“. Zunächst habe man einen Dreiervorschlag erarbeitet und diesen nach dem Rückzug eines Kandidaten um einen weiteren Namen ergänzt. „Da war jeder für sich papabile.“ Mit jedem einzelnen habe der Minister vor seiner Entscheidung intensive Gespräche geführt. „Wir stehen voll hinter dem neuen Chef“, so Kothbauer.

„Auch für mich ist es eine große Überraschung“, sagte der neue Holding-Geschäftsführer. „Ich nehme diese Herausforderung mit großer Freude an. Die Verantwortung ist mir bewusst.“ Er sei aber auch mit großer Freude im Wien Museum tätig gewesen. Der neue Direktor Matti Bunzl sei „von erster Sekunde an“ in seine Bewerbung eingeweiht gewesen. Er verlasse das Wien Museum mit vielen weinenden Augen, „aber jedes Mal gibt es eines mehr, das lacht“. Seine berufliche Neuorientierung sei keine Flucht aus einem Haus, das sich mit einer neuen inhaltlichen Leitung und einem Neubauprojekt neu orientiere: „Es gibt keine faulen Eier, die ich hinterlasse.“

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„Es ist wohl selbstverständlich, dass es eine Einarbeitungsphase braucht“, sagte Kircher, der seinen Fünf-Jahres-Vertrag nicht wie in der Ausschreibung vorgesehen, mit 1. Jänner, sondern drei Monate später antreten und laut Ostermayer deutlich weniger als der frühere Holding-Geschäftsführer Georg Springer, nämlich 200.000 Euro pro Jahr, verdienen wird. In dieser Zeit wird Günter Rhomberg weiterhin interimistisch tätig sein. Er tue dies gerne, versicherte dieser. „Ich bin froh, dass mich Rhomberg begleiten wird. Ich würde mir nie anmaßen, bereits morgen Entscheidungen zu treffen“, sagte Kircher. „Aber ich bin schon ein Blitzgneißer und werde versuchen, mich schnell einzuarbeiten.“

Rhomberg hat auch bereits eine „bedarfsorientierte Aufteilung“ der auf 162,9 Mio. Euro angehobenen Basisabgeltung für das Geschäftsjahr 2016/17 erarbeitet, laut der dem Burgtheater 48,7, der Staatsoper 64,9 und der Volksoper 44,2 Mio. Euro zur Verfügung stehen werden. Die weitere Aufteilung werde laut den beschlossenen ersten Dreijahresplänen flexibel erfolgen, sagte Rhomberg, der sich mit dem novellierten Bundestheater-Gesetz mittlerweile angefreundet hat: Die Bestellung der kaufmännischen Geschäftsführer durch den Minister sei eine Aufwertung der Position, die Tatsache, dass alle Bestellungen durch die Holding vorzubereiten seien, stärke diese. Und die von ihm angestrebte Umwandlung des Kasino in ein Haus der Bundestheater unter der Federführung des Burgtheaters sieht er keineswegs ad acta gelegt.

Kircher sieht die Bühnengesellschaften „solide aufgestellt“, wollte diese Aussage auf Nachfrage aber nicht auf die Finanzen bezogen wissen. Die Erhöhung der Basisabgeltung um 14 Mio. Euro sei „ansehnlich“ gewesen und schaffe, „wie ich es verstehe, Planungssicherheit für die nächsten zwei, drei Saisonen. Dann werden wir mit Sicherheit wieder übers Geld reden. Aber ich hätte diese Aufgabe nicht übernommen, wenn vor mir das absolute Chaos wäre.“ Er werde kraft seines Amtes künftig bei der Bestellung von Direktoren in der Findungskommission mitreden können. „Wenn ein Direktor bestellt ist, dann hat er alle Freiheiten. Aber es ist nicht möglich, jedes Jahr den ‚Ring‘ neu zu inszenieren.“

Die laufenden gerichtlichen Ermittlungen und Gerichtsverfahren in der Causa Burgtheater wollte Kircher nicht kommentieren. Minister Ostermayer kündigte die Schlussbesprechung des diesbezüglich erbetenen Rechnungshofberichts für Jänner an.




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