Letztes Update am Do, 10.12.2015 13:00

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Flüchtiger im Zusammenhang mit Völkermord in Ruanda gefasst



~ --------------------------------------------------------------------- KORREKTUR-HINWEIS In APA288 vom 10.12.2015 muss der Name des Festgenommenen durchgehende richtig heißen: Ntaganzwa (nicht: Ntganzwa). --------------------------------------------------------------------- ~ Arusha (APA/AFP) - Einer von mehreren flüchtigen Angeklagten des Internationalen Strafgerichts für Ruanda ist mehr als 20 Jahre nach dem Völkermord in dem ostafrikanischen Land gefasst worden. Ladislas Ntaganzwa sei am Mittwoch in der Demokratischen Republik Kongo festgenommen worden, teilte das Nachfolgeorgan des Strafgerichts, MICT, am Donnerstag im tansanischen Arusha mit.

Der heute 53-jährige Angeklagte war zum Zeitpunkt des Genozids 1994 Bürgermeister der Gemeinde Nyakizu im Süden Ruandas. Er soll dazu angestachelt haben, tausende Zivilisten der Tutsi-Volksgruppe zu töten und Tutsi-Frauen zu vergewaltigen.

Ntaganzwa gehörte zu einer Gruppe von neun Hauptverdächtigen, die von dem UN-Gericht wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt worden waren. Im Mai 2012 übergab das Internationale Strafgericht in Arusha die Akte an die ruandische Justiz. Der 53-Jährige muss nun mit seiner Auslieferung nach Ruanda rechnen.

Die USA hatten auf Ntaganzwas Festnahme eine Belohnung von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Die US-Justiz sieht ihn als Hauptverantwortlichen an für den Genozid im südruandischen Bezirk Butare. Ntaganzwa habe dabei geholfen, die Hutu-Miliz Interahamwe „aufzubauen, zu trainieren, zu bewaffnen und zu lenken“. Er habe zudem „in Reden zur Vernichtung der Tutsi“ in der Region aufgerufen.

Der MICT-Ankläger Hassan Jallow dankte den Behörden im Kongo für ihre Zusammenarbeit und forderte sie auf, den Angeklagten nach Kigali zu überstellen. Der Internationale Residualmechanismus für die Ad-hoc-Strafgerichtshöfe (Mechanism for International Criminal Tribunals, MICT) wurde von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um die juristische Aufarbeitung auch nach dem Ende der Mandate der eigens für bestimmte Konflikte geschaffenen Gerichte fortzusetzen.

Während des Völkermords in Ruanda zwischen April und Juli 1994 wurden nach UN-Angaben binnen hundert Tagen etwa 800.000 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Angehörige der Tutsi-Minderheit. Aber auch gemäßigte Hutu wurden ermordet.

~ WEB http://www.un.org/en/ ~ APA298 2015-12-10/12:59




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