Letztes Update am Do, 10.12.2015 13:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Permafrost im Klimawandel: Österreichisches Messnetz fehlt



Graz (APA) - Der Klimawandel lässt nicht nur die Gletscher schmelzen, sondern auch die Permafrostböden tauen: In der Tauern-Region haben Grazer Forscher seit 2004 signifikante Erwärmungstrends dieser Dauerfrostböden festgestellt, wie die Uni Graz am Donnerstag mitteilte. Andreas Kellerer-Pirklbauer vom Institut für Geografie der Uni Graz hält ein institutionalisiertes Messnetz in Österreich für unentbehrlich.

Er ist so etwas wie der Eisschrank der Erde: Im Permafrostboden, einem dauernd gefrorenen Boden, der im Sommer nur oberflächlich auftaut. 2,5 Prozent der Fläche Österreichs besteht aus solchem ganzjährig gefrorenen Untergrund.

„Die Stabilität von Infrastruktur - Dämmen, Seilbahnstützen, Häusern, aber auch alpinen Wanderwegen - und die Sicherheit von Mensch und Tier können bei klimawandelbedingter Erwärmung und dadurch bewirkten Veränderungen im Untergrund gefährdet sein“, betonte Andreas Kellerer-Pirklbauer vom Institut für Geografie und Raumforschung der Uni Graz auf Anfrage der APA. Taut der Dauerfrostboden in den österreichischen Alpen, könnten laut dem Grazer Experten 23 Skigebiete, 31 Speicherseen und 42 alpine Schutzhütten direkt oder indirekt betroffen sein. Auch tiefer gelegene Bereiche könnten etwa durch Steinschlag in Mitleidenschaft gezogen werden.

In dem von Kellerer-Pirklbauer geleiteten Langzeitprojekt „Permafrostmonitoring in der Tauern-Region“ wurde eine bedenkliche Entwicklung sichtbar: Neben der Lufttemperatur war in den österreichischen Permafrost-Gebieten im Sommer auch die Bodentemperatur so hoch wie nie zuvor. An einem Messpunkt in den steirischen Seckauer Alpen war der Boden sogar um 2,2 Grad wärmer als im langjährigen Mittel.

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„Neun politische Bezirke in Österreich weisen eine potenzielle Permafrostfläche von mindestens 100 Quadratkilometern auf“, betonte der Forscher. In Tirol liegen die meisten, je einer in Salzburg, Kärnten und Vorarlberg. An 19 Stationen werden Veränderungen im Permafrost indirekt, wie etwa durch geophysikalische Methoden, beobachtet. Derzeit gebe es allerdings nur drei Standorte mit Bohrlöchern - zwei in den Hohen Tauern und einer in den Nördlichen Kalkalpen, „in Tirol mit den meisten dieser Bezirke, gibt es gar keinen Standort“, gab der Grazer Forscher zu bedenken.

Aus seiner Sicht wäre ein österreichweit koordiniertes und institutionalisiertes Messnetz mit einer höheren Dichte an Messpunkten notwendig, um die Entwicklung besser und kontinuierlich überwachen zu können. Zu erfassen wären laut Kellerer-Pirklbauer speziell die Temperaturen direkt in den Bohrlöchern, wie auch die oberflächennahe Bodentemperatur. Tirol, der Bezirk Zell am See sowie das südöstliche Vorarlberg haben laut dem Grazer Forscher diesebezüglich den höchsten Bedarf. Die Kosten für ein ausgeweitetes Messnetz schätzt der Wissenschafter auf rund 1,5 Millionen Euro.




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