Letztes Update am Do, 10.12.2015 13:54

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Heta - Anleihegläubiger werfen Kärnten Verhandlungsverweigerung vor



Wien/Klagenfurt (APA) - Bevor Kärnten jetzt im Dezember mit seinem Angebot an die Gläubiger landesgarantierter Anleihen herantritt, die ausstehenden Bonds weit unter dem Nominale aufzukaufen, machen die Investoren öffentlich Druck. Internationale Fonds und Banken werfen dem Land vor, sich „armzurechnen“. Von Konkursdrohungen will man sich auch nicht schrecken lassen. Auf Gespräche habe man bisher umsonst gewartet.

„Es gab keine Verhandlungen, wir sind immerhin die größte Gläubigergruppe“, hieß es am Donnerstag von der sogenannten „Ad-hoc-Gruppe“ (AHG), deren elf Mitglieder zusammen 2,5 Mrd. Euro an Anleiheforderungen haben. Zu der AHG gehören u.a. Commerzbank, FMS, Knighthead Capital oder Pimco. Offenbar werde unilateral ein „Vogel-friss-oder-stirb“-Angebot vorbereitet.

„Wir gehen davon aus, dass das Angebot scheitern wird“, sagte Leo Plank, Anwalt und Sprecher der Gruppe heute zur APA. Für Dorian Lowell vom mandatierten Berater Gleacher Shacklock hat Kärnten bzw. Österreich beim Heta-Schuldenproblem die Wahl: Weiter nichts zu tun, die Heta und das Land der Insolvenz auszusetzen oder um eine einvernehmliche Lösung zu verhandeln. „Die Verhandlungslösung wäre die viel einfachere, gangbarere und billigste Lösung“, so Lowell am Donnerstag.

Die Gläubigergruppe sei weiterhin verhandlungsbereit. Die Handlungsoptionen lägen bei Kärnten und der Republik, der man Mitschuld am Hypo/Heta-Desaster gibt. Gewarnt wird, dass sich seit dem Heta-Schuldenmoratorium vom März Risikozuschläge und Finanzierungskosten auch für andere Banken in Summe schon um mehr als eine Milliarde verteuert hätten. Festgemacht sieht die Gruppe dies an der Absage einer lang geplanten 500-Millionen-Euro-Pfandbriefemission der Hypo Tirol jetzt im Dezember.

Es gehe ja nicht darum, dass von heute auf morgen alles Geld fließen müsse, wird bei den Gläubigern in Richtung Kärnten argumentiert. In ihren Kompromissvorschlägen ist von Tilgungen über längere Zeiträume - also von 20 bis 30 Jahren - die Rede, die ein Schuldensanierungsplan in Anspruch nehmen könne. Das wäre für das Land sehr wohl zu schultern. Je länger die Rückzahlung erstreckt würde, umso „billiger“ wäre die jährliche Belastung. Der Bund müsste eine solche Umschuldung zumindest mit Garantien decken.

„Kärntens Problem ist nicht Zahlungsunfähigkeit, sondern Unwilligkeit zu zahlen“, findet Lowell. Das Land habe beträchtliches Vermögen, das auf 2,8 Mrd. Euro beziffert wird. Auf rund 2,2 Mrd. Euro sind dabei Darlehensforderungen (primär Wohnbaudarlehensforderungen) veranschlagt. Zähle man noch die Landesstraßen (2,55 Mrd. Euro) dazu, sitze das Land auf Assets von 5,3 Mrd. Euro - noch ohne Zukunftsfonds (500 Mio. Euro), wird in einem Gläubigerpapier vorgerechnet.

Im Streit um bevorstehende Quoten und Abschläge beim Anleiherückkauf hat sich heute auch eine zweite große Gläubigergruppe („Par-Investorenpool“) mit ziemlich gleichlautenden Argumenten zur angeblichen Leistungsfähigkeit Kärntens zu Wort gemeldet. Vor allem, dass Kärnten seine potenziellen Heta-Milliardenverpflichtungen immer mit dem Jahresbudget (2,2 Md. Euro) ins Verhältnis setze, stößt den Investoren bitter auf. „Nach der Rechnung wäre fast jedes europäische Land pleite“, heißt es in übereinstimmenden Statements gegenüber der APA. Österreich beispielsweise habe 2014 einen Schuldenstand von 270 Mrd. Euro gehabt bei einem Budget von 114 Mrd. Euro.

Heute Nachmittag beschließt der Kärntner Landtag die Aufnahme eines 1,2 Mrd. Euro schweren Kredits beim Bund als „Kärntner Beitrag“ zum Angebot an die Heta-Gläubiger. Dass dies ein Maximalbeitrag und das Ende der finanziellen Leistungsfähigkeit des Landes sein soll, wird von den „Par“-Gläubigern jedenfalls in Zweifel gezogen.

„Mithilfe eines langfristigen Kredite und einer Haftungsübernahme der Republik könnte Kärnten durchaus einen abzudeckenden Restbetrag von 5 Mrd. Euro leisten“, schrieb der Par-Investorenpool, dem aus Österreich etwa die Hypo Niederösterreich angehört. Die offenen Darlehensforderungen (darunter die Wohnbaudarlehensforderungen) beispielsweise könnte das Land „veräußern oder verpfänden“, so der Vorschlag.

~ WEB www.heta-asset-resolution.com ~ APA350 2015-12-10/13:52




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