Letztes Update am Do, 10.12.2015 14:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Casinos Austria erlösen im Inland mehr - Mehr Gäste aus dem Ausland



Wien (APA) - Die teilstaatliche Casinos-Austria-Gruppe ist heuer besser unterwegs als im Vorjahr. In den 12 inländischen Spielbanken wird das Unternehmen 2015 erstmals die Umsatzgrenze von 300 Mio. Euro überschreiten. Im Ausland ist man unterm Strich noch negativ, operativ aber deutlich stärker, so Generaldirektor Karl Stoss. In den WINWIN-Automatensalons in Österreich indes schreibt der Konzern Verluste.

Die gesamte Gruppe, inklusive Lotterien, werde heuer den Vorjahresumsatz von 3,62 Mio. Euro überschreiten, sagte Stoss am Donnerstag vor Journalisten im Casino in der Wiener Kärntner Straße. Das Betriebsergebnis werde einen Rekordwert von 92 Mio. Euro erreichen - nach 63 Mio. Euro 2014. Ähnlich hoch war der Wert nur im Jahr 2009 (91 Mio. Euro), damals gab es aber hohe Sondererlöse in Höhe von fast 42 Mio. Euro aufgrund des Verkaufs der Unternehmenszentrale an der Wiener Ringstraße und des Südafrika-Geschäfts.

In den inländischen Casinos zeichnet sich ein Plus von mehr als 20 Prozent gegenüber 2014 ab. Die Spielerlöse dürften bei 305 Mio. Euro zu liegen kommen, hinzu kommen 15 Mio. Euro an Gastronomie- und Eventumsatz. In den ersten elf Monaten haben die Spielbanken 276 Mio. Euro erlöst, im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 258 Mio. Euro gewesen.

Gestiegen sind auch die Gästezahlen. „2,7 Millionen Besuche werden wir 2015 haben. 2014 waren es 2,5 Millionen“, so Stoss. Allein auf den Standort Wien dürften 600.000 Gäste entfallen.

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Erstmals kamen mehr ausländische Besucher in die österreichischen Casinos. Bis November waren 1,21 Mio. Spieler aus Österreich und 1,25 Mio. aus anderen Ländern.

Während russische Gäste „leider auslassen“, zockten Asiaten fleißig. Sie kompensierten den ausbleibenden Russen-Umsatz. „Sehr aktiv“ seien die Spieler aus Fernost sowie dem Mittleren Osten, also Chinesen, Vietnamesen, Philippinos, Kasachen, Aserbaidschaner oder Israelis.

In Wien kam dem im Vorjahr ausgebauten Casino in der Innenstadt das Automatenverbot zupass. In das Stadtcasino kamen neben Österreichern auch viele Touristen aus Italien sowie Südost- und Osteuropäer. Im Bregenzer Casino - die Standorte Wien und Bregenz sind für 48 Prozent der Einspielergebnisse verantwortlich - profitierte der Konzern von der Frankenstärke. Für Gäste aus der Schweiz ist es im Vorarlberger Casino jetzt noch günstiger. Hohe Besucherzuwächse verzeichnete der Konzern auch in Tirol, Velden sowie Baden.

Im neuen Casino in Zell am See, das ab 1.1.2016 die nur saisonal betriebene Spielstätte in Bad Gastein ersetzen wird, erwartet Stoss 60.000 Besucher im Jahr. In Gastein waren es nur 15.000.

2015 hat der Casinos-Konzern kräftig investiert - mehr als 50 Mio. Euro. Davon entfielen 29,4 Mio. Euro auf die letzte Leasingrate in Baden, 7 Mio. Euro auf den Umbau des Casinos Salzburg und mehr als 5 Mio. Euro auf den Neubau in Zell am See. Der Ausbau der Bregenzer Spielbank kostete 3,5 Mio. Euro, die Veränderungen in Wien 1,5 Mio. Euro.

Für 2016 sind Investitionen von 32 Mio. Euro budgetiert. Unter anderem wird das Casino Graz ausgebaut. Dort erhofft sich Stoss einen Besucherzuwachs, da ab Jahresbeginn die Zahl der Automaten in der Steiermark außerhalb von Spielbanken deutlich von aktuell (legalen) 2.601 Geräten auf 1.017 reduziert werden muss.

Teuer zu stehen kommt den Konzern die verpflichtende Anbindung aller österreichischen Glücksspielautomaten an das Bundesrechenzentrum (BRZ), wobei der Gesetzgeber den Casinos hier teilweise Übergangsfristen bis Anfang 2019 eingeräumt hat. 2016 nehmen die Casinos bereits 16 Mio. Euro für den Austausch von 800 bis 1.000 Spielbank-Automaten in die Hand; insgesamt hat das Unternehmen 2.000 einarmige Banditen in seinen 12 Casinos stehen.

Bereits mit dem BRZ verbunden sind indes die Video Lottery Terminals (VLT) in den 15 (bald 16) WINWIN-Automatenhallen des Casinos-Konzerns. Dies verunsichert Spieler. „Manche glauben: ich bin direkt ans Finanzamt angebunden“, so Stoss. Dem sei natürlich nicht so. Deswegen und auch aufgrund von verpflichtenden Spielerkontrollen und -karten sind 2014 die Gäste in den WINWIN-Outlets ausgeblieben. Hinzu kommt, dass pro Standort nur mehr 50 VLTs betrieben werden dürfen. Die Einheit WINWIN schreibt 2015 deswegen einen Verlust von rund 1 Mio. Euro, sagte Stoss. „Wir hatten 800 VLT, jetzt sind es 671.“

Theoretisch erlaubt das Gesetz dem Casinos-Konzern den Betrieb von 5.000 VLT-Geräten in Österreich. Stoss will aber bei der Expansion „sehr vorsichtig“ vorgehen, sagte er. Es werde sicherlich eine Rolle spielen, wer der neue Eigentümer der Gruppe wird. Sollte es Konkurrent Novomatic werden, der bereits bei den Lotterien mit 23 Prozent Anteil den Fuß in der Tür hat, dürfte das VLT-Geschäft stark ausgebaut werden. In den WINWIN-Salons sind derzeit 43 Prozent der Geräte aus dem Hause Novomatic.

Nach wie vor ein Thema sind Spielerklagen. Derzeit laufen Prozesse mit einer Gesamtklagssumme zwischen 3,5 Mio. und 4,2 Mio. Euro. Das sei jedes Jahr ähnlich, so Stoss.

Im Ausland sind mittlerweile alle Operations im Plus, gegenüber 2014 gab es heuer Steigerungen. Unterm Strich sind die Casinos Austria International (CAI) aber noch im Minus, eine Zahl nannte Stoss am Donnerstag nicht. 2014 hatte der Verlust 10,9 Mio. Euro betragen. Das Betriebsergebnis der Casinos Austria International (CAI) werde 2015 auf +5,8 Mio. Euro steigen, nach +866.000 Euro 2014 und -13,2 Mio. im Krisenjahr 2011. Derzeit betreiben die CAI 32 Casinos weltweit, kürzlich wurde eine Spielstätte in Batumi am Schwarzen Meer eröffnet. In Mazedonien will der österreichische Konzern seine Expansion bei VLT vorantreiben, die Gerätezahl soll von derzeit 750 auf 2.000 bis 2.500 Ende 2016 erhöht werden.

Der Umsatz mit dem klassischen Lotto stieg 2015 um 8,5 Prozent, EuroMillionen ließ etwas nach, da es weniger Riesensummen zu gewinnen gab. Die umsatzstarke Online-Plattform win2day, auf der 818.000 Spieler aus Österreich angemeldet sind, verzeichnete einen Zuwachs von rund 10 Prozent. 2014 war die Internetplattform wegen der starken Konkurrenz im Netz erstmals seit vielen Jahren geschrumpft.

Die Zahl der Mitarbeiter wurde 2015 weiter reduziert. Nach wie vor bietet der Konzern älteren Mitarbeitern Teilzeitmodelle an, stellt aber gleichzeitig junge (billigere) Croupiers an. Derzeit beschäftigt der Konzern laut Stoss 13.050 Menschen in den inländischen Casinos, mehr als 5.000 Menschen im Ausland und rund 540 Leute bei den Lotterien. 87 ältere Mitarbeiter sind 2015 in Teilzeit gegangen.

Zur Eigentümersituation meinte Stoss, er erwarte sich, dass ein Wechsel noch dauern wird. „Wenn wir Glück haben, ist das bis Ende 2016 erledigt.“ Grund sei, dass mehrere internationale Glücksspielbehörden einen Eigentümerwechsel prüfen müssten. In Australien, Belgien, der Schweiz und in Kanada seien die Behörden da besonders streng, eine Prüfung könne durchaus 12 bis 18 Monate dauern. Derzeit buhlen sowohl der Novomatic-Konzern als auch ein tschechisches Bieterkonsortium um die Mehrheit bei den Casinos Austria.

Stoss und sein Vorstandskollege Dietmar Hoscher werden dem Konzern noch zwei Jahre erhalten bleiben. Bei der gestrigen Aufsichtsratssitzung wurden ihre Verträge einmal bis Ende 2017 verlängert. Ende 2016 wird dann entschieden, ob sie noch einmal eine volle Fünfjahresperiode bekommen. „Man muss uns ein Jahr vor Ablauf mitteilen, ob man uns verlängert“, erklärte der langjährige Casinos-Manager. Die Vertrag der dritten Vorständin Bettina Glatz-Kremsner läuft bis Ende 2019.

~ WEB http://www.casinos.at ~ APA362 2015-12-10/14:00




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