Letztes Update am Do, 10.12.2015 14:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EVN - Deutlich mehr Kraftwerkseinsatz zur Stromnetz-Stabilisierung



Wien/Maria Enzersdorf (APA) - Die EVN setzen ihre thermischen Kraftwerke immer öfter zur Stabilisierung der Stromnetze ein. Die Abhängigkeit des Geschäfts von den Temperaturen wird tendenziell geringer. Ein höheres Ergebnis erzielt hat die EVN auch wieder in Südosteuropa. In Bulgarien und Mazedonien konnten Netzverluste und Stromdiebstahl eingedämmt werden.

Die Zahl der Notabrufe zur Netzstabilisierung lag im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15 bei 80. In den ersten beiden Monaten des laufenden Geschäftsjahres seien es bereits knapp 80 Abrufe gewesen, so EVN-Chef Peter Layr. Im Ergebnis (Ebitda) positiv niedergeschlagen haben sich die Einsätze laut EVN-Vorstand Stefan Szyszkowitz mit einem tiefen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag.

Die EVN setzt ihre kalorischen Kraftwerke zur Netzstabilisierung nicht nur in Österreich ein, sondern hat auch mit dem deutschen Netzbetreiber Tennet einen Vertrag bis zum Jahr 2018 abgeschlossen. Im Winter 2014/15 werden als „Stromhilfe“ für Deutschland in den Gaskraftwerken Theiß und Korneuburg laut EVN insgesamt 785 MW Reservekapazität für den süddeutschen Raum bereitgehalten. Notwendig sind die Stabilisierungsmaßnahmen vor allem wegen des starken Windkraftausbaus im Norden Deutschlands und nicht ausreichenden Stromnetzverbindungen in den Süden Deutschlands. Die Temperaturabhängigkeit in der Energiewirtschaft nehme ab, so Layr.

In Südosteuropa hat die EVN im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich bessere Ergebnisse erzielt. Das Segment-Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg laut Geschäftsbericht von 20,2 auf 120,7 Mio. Euro. Das Ebit war mit 57,8 Mio. Euro positiv, nach einem Minus von 233 Mio. Euro 2013/14. Die Strom- und Wärmenachfrage war temperaturbedingt höher. Die Stromerzeugung stieg wegen des höheren Wasserdargebots in Mazedonien.

Zudem seien die Netzverluste auf einem historischen Tiefststand. Hier sind auch weitere Maßnahmen geplant. Beim Markteinstieg in Bulgarien und Mazedonien seien die Netzverluste bei 20 bis 30 Prozent gelegen. Mittlerweile seien es rund 10 Prozent in Bulgarien und etwas weniger als 15 Prozent in Mazedonien, wovon laut EVN 7 bis 8 Prozent auf physikalische Verluste entfallen. Grund dafür sind laut Layr Investitionen in eine bessere Netzqualität und die Reduktion der Diebstähle. Von österreichischen Werten beim Stromdiebstahl ist man allerdings noch entfernt, er spielt hierzulande de facto keine Rolle. Eine große Hilfe seien in der Region auch die EU-Regeln, so Layr.

In Segment Stromerzeugung wirkte sich neben den verstärkten Notabrufen bei der thermischen Erzeugung auch der höhere Anteil der Erneuerbaren Energie positiv auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) aus, das von 33,6 auf 68,7 Mio. Euro zulegte. Der Anteil erneuerbarer Stromerzeugung lag in Niederösterreich bei 58 Prozent. Insgesamt stieg die Konzern-Stromerzeugung um 11,1 Prozent auf 4.882 GWh; davon entfielen 2.106 GWh (+12,8 Prozent) auf Erneuerbare Energie und 2.777 GWh (+9,9 Prozent) auf Wärmekraftwerke. Die installierte Windkraftkapazität liegt aktuell bei 250 Megawatt (MW), damit können mehr als 150.000 Haushalte versorgt werden. Mittelfrist-Ziel sind 300 MW.

Eine Wertminderung von 17 Mio. Euro gab es beim Kraftwerk Dürnrohr in Folge der Stilllegung des Verbund-Blocks. Dies beschäftigt auch die Justiz. Die EVN stehe auf dem Standpunkt, dass die Kündigung des Betriebsführungsvertrags rechtlich unwirksam sei und der Vertrag auf die technische Lebensdauer der Anlagen abgeschlossen sei, heißt es im Geschäftsbericht. Beim Handelsgericht Wien sei eine Feststellungsklage eingebracht worden. Wegen der weniger günstigen Einschätzung des langfristigen Strompreises gab es weiters eine Wertminderung von 27,6 Mio. Euro beim deutschen Gemeinschaftskraftwerk Duisburg-Walsum, das mittlerweile im Vollbetrieb ist.

In Niederösterreich wird in vier Jahren 1 Mrd. Euro investiert. Schwerpunkt sind die Stromnetze, zunehmend an Bedeutung gewinnen dabei laut Layr wegen des Photovoltaik-Ausbaus auch die Ortsnetze. Zur Modernisierung des niederösterreichischen Kleinkraftwerk Rosenburg, die auf Widerstand von Umweltschützern stößt, sagte Layr, man werde mit der Bevölkerung sprechen, eine Möglichkeit sei eine Befragung der Bevölkerung.

( 1407-15, Format 88 x 72 mm)

~ ISIN AT0000741053 WEB http://www.evn.at ~ APA359 2015-12-10/13:59




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