Letztes Update am Do, 10.12.2015 15:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Verbraucherschützer fordern bei Geldanlagen Beratung gegen Honorar



Berlin (APA/AFP) - Verbraucherschützer fordern bei Geldanlagen die Pflicht zu Honorarberatungen anstelle von Beratung auf Provisionsbasis. Die derzeit von Banken und Finanzvertrieben unterbreiteten Anlagevorschläge entsprächen meist nicht dem Bedarf von Verbrauchern.

Die Auswahl zwischen Finanzprodukten sei für Verbraucher mit Blick auf ihre Altersvorsorge „entscheidend“, erklärte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Donnerstag in Berlin. Kunden könnten die Angebote aber „mit vertretbarem Aufwand“ kaum beurteilen, die meisten seien auf Beratung angewiesen.

Der vzbv berief sich auf eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (VZ BaWü). Demnach passen die meisten Anlageangebote nicht zu der aktuellen Lebenssituation, den Anlagezielen oder -wünschen der Kunden: Die Vorschläge waren demnach zu teuer, zu unrentabel, zu unflexibel, zu riskant.

Die Verbraucherzentrale prüfte von November 2014 bis Oktober 2015 insgesamt 362 Angebote, mit denen Verbraucher in die kostenpflichtige Beratung gekommen waren, und 3.502 schon bestehende Anlageprodukte. Insgesamt wertete sie 835 Beratungsgespräche aus. 95 Prozent der Angebote waren demnach nicht bedarfsgerecht; für 45 Prozent der schon abgeschlossenen Verträge gebe es eine bessere Alternative.

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Die Untersuchung ist nicht repräsentativ - das Ergebnis sei dennoch „alarmierend“, sagte Werner Bareis von der VZ BaWü, Teamleiter des Projekts Finanzmarktwächter. Finanzprodukte wie Wertpapiere, Aktien, Investmentfonds oder kapitalansparende Lebensversicherungen seien „Vertrauensgüter“: Preis und Qualität könne der Verbraucher kaum beurteilen, und weil sich oft erst nach Jahren herausstellt, wie gut eine Anlage tatsächlich ist, funktioniere der Wettbewerb über Preis und Qualität nicht.

Der Verbraucher habe aber ein Recht auf eine „hohe und verlässliche Qualität“ in der Finanzberatung, sagte die Finanzmarktexpertin des vzbv, Dorothea Mohn. Dies müsse der Gesetzgeber sicherstellen. „Produktverkauf und Finanzberatung sind klar zu trennen“, forderte sie. Die Beratung müsse unmissverständlich im besten Kundeninteresse erfolgen - „und nicht am Wunsch des Herstellers, sein Produkt zu verkaufen“. Mohn forderte daher ein gesetzliches Verbot, dass Berater Provisionen vom Anbieter erhalten.

Zwischenschritt hin zu einem solchen Provisionsverbot könne mehr Transparenz sein: Berater sollten ihre Provisionen in einer eigenen Abrechnung offenlegen müssen, sagte Mohn. Dann könne der Verbraucher diese Kosten und die Kosten einer unabhängigen Honorarberatung direkt vergleichen. Zudem müsse es eine einheitliche Regulierung und staatliche Aufsicht geben - egal ob für den Wertpapierverkauf oder die Vermittlung einer Lebensversicherung, verlangte Mohn.

Die Banken und Sparkassen nannten die Untersuchung der Verbraucherzentrale „irreführend“. Der Begriff der Bedarfsgerechtheit sei an eine Vielzahl objektiver und subjektiver Kriterien geknüpft und berge das Risiko, beliebige Ergebnisse zu erzielen, erklärte die Deutsche Kreditwirtschaft. Sie verwies auf repräsentative Erhebungen Dritter zur Kundenzufriedenheit mit Beratungsleistungen von Banken und Sparkassen und regte Untersuchungen der Verbraucherschützer mit „transparenten und empirisch belastbaren Bedingungen“ an.




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