Letztes Update am Do, 10.12.2015 15:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


25.000 Liter Plagiat-Tequila in deutschem Klärwerk entsorgt



Hamburg (APA/dpa) - Aus 25.000 Litern gefälschtem Tequila werden 20.000 Kilowattstunden Strom. Das hat die Chefin des Klärwerks von Hetlingen (Schleswig-Holstein) bei Hamburg, Christine Mesek, am Donnerstag der mexikanischen Botschafterin Patricia Espinosa Cantellano versprochen. Der Alkohol war vom deutschen Zoll sichergestellt und ist nunmehr vernichtet worden.

Nach einem Hinweis aus Mexiko hatte der Zoll im Hamburger Hafen am 10. Oktober einen Container beschlagnahmt. Untersuchungen in Berlin und Mexiko bestätigten, dass es sich nicht um echten Tequila handelte. Diese Spirituose hat seit 1974 eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Sie darf nur aus der Region des mexikanischen Bundesstaates Jalisco kommen und einen Alkoholgehalt von 35 bis 55 Prozent haben. Echter Tequila wird aus dem Herz der Blauen Agave hergestellt. In den vergangenen Jahren sei die Nachfrage stark gestiegen, sagte der eigens angereiste Präsident des Tequila-Regulierungsrates, Miguel Angel Dominguez Morales. 172 Millionen Liter exportierte Mexiko im vergangenen Jahr.

Die Mexikaner begründen die hartnäckige Verfolgung von Tequila-Fälschungen vor allem mit dem Konsumentenschutz. Die illegalen Getränke könnten Methanol enthalten, der Leber und Gefäße schwer schädige und sogar zum Tod führen könne, sagte der Generaldirektor der Bundeskommission zum Schutz vor gesundheitlichen Risiken, Jorge Antonio Romero Delgado.

Es geht aber natürlich auch um wirtschaftliche Interessen. Der Tequila-Export hat einen Wert von rund 800 Millionen Euro. Es gibt acht große Produzenten in Mexiko, die mehr als die Hälfte des Branntweins destillieren. Daneben gebe es aber auch zahlreiche kleine Unternehmen und 17.500 Agaven-Anbauer. Die in Hamburg beschlagnahmte Menge sei nur ein Teil von insgesamt 220.000 Litern gefälschten Tequilas, die in die EU exportiert worden seien, sagte der Regierungsberater Christophe Zimmermann. „Die Ermittlungen laufen.“

Die Vernichtung des gefälschten Branntweins wurde in einer Urkunde bestätigt. Die Vergärung des Alkohols dauert 24 Stunden. Die Klärwerk-Leiterin ist sich sicher: „Die Bakterien freuen sich heute und schreien Ole.“ Das entstehende Klärgas kommt ins Blockheizkraftwerk und wird dort zur Stromerzeugung genutzt.




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