Letztes Update am Do, 10.12.2015 17:54

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Peter Stein mit Österreichischem Ehrenkreuz ausgezeichnet



Wien (APA) - Im denkbar passendsten Ambiente, nämlich umgeben von Videos seiner legendären Inszenierungen, hat der deutsche Regisseur Peter Stein heute, Donnerstag, Nachmittag im Wiener Künstlerhaus aus den Händen von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse entgegengenommen.

Durch die sehr persönlich gehaltene Laudatio von Otto Schenk gestaltete sich die Ehrung zur „öffentlichen Begegnung von zwei Freunden“, wie es Stein ausdrückte. Schenk bekannte, den 78-jährigen Kollegen, dessen Inszenierung von „Vec Makropulos“ von Leos Janacek am Sonntag an der Wiener Staatsoper Premiere haben wird, „fast blödsinnig“ zu verehren. Er habe „die Gnade“ gehabt, unter Steins Regie „die Scherben meines Talents geordnet“ zu sehen, mit jener einzigartigen Umsicht, die Stein auszeichne.

„Er betrachtet das Leben von seiner dramaturgisch-theatralen Seiten und betrachtet das Theater als Leben“, so Schenk über Stein, und rühmte in der Folge dessen Sensibilität für Sprache sowie seine schauspielerische Begabung, die Stein fast immer leugne. „Es ist fast unmöglich, die Vielfalt seines Talents, um nicht zu sagen: Genies, zu schildern.“ Für die kommende Staatsopern-Premier wünschte er ihm „die besten Hals-, Nasen-, Ohrenärzte“ (um sein Sänger-Ensemble vor Ausfällen zu bewahren, Anm.).

Gerührt bedankte sich Stein beim lieben „Otti“und bekannte, am Anfang habe dieser zu denjenigen gezählt, „die man abschaffen muss“: Bei Schenks Inszenierungen sei immer „viel zu viel Zeug auf der Bühne“ gewesen, doch habe er zugestehen müssen, dass die Schauspieler bei Schenk „nicht schlecht“ gewesen seien. „Aber man braucht ja Feindbilder.“ Doch Stein und Schenk hätten ebenso zusammengefunden wie Stein und Österreich, zu dem der 1937 Geborene 1945 nach seiner Flucht vom Stettiner Haff nach Salzburg anfänglich auch ein sehr kritisches Verhältnis gehabt habe. Die Arbeit mit österreichischen Kollegen und nicht zuletzt seine Jahre als Schauspielchef der Salzburger Festspiele hätten dies jedoch zum Positiven verändert. Und schließlich erzählte Stein noch von einer für ihn denkwürdigen Begegnung, als er dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) sein „Faust“-Projekt vorstellte und dieser nach stummem Zuhören abschließend die entscheidenden Worte gesprochen habe: „Des moch ma!“

Auch das „Faust“-Großprojekt zählt zu jenen 46 Arbeiten des legendären Berliner Schaubühnen-Mitbegründers, die in der Künstlerhaus-Ausstellung noch bis 14. Februar 2016 in Video-Mitschnitten nachgeholt werden können.

(S E R V I C E - „Vec Makropulos“ von Leos Janacek in der Staatsoper, Opernring 2, 1010 Wien. Dirigent: Jakub Hrusa, Regie: Peter Stein, Bühnenbild: Ferdinand Wögerbauer. Mit Laura Aikin/Emilia Marty, Ludovit Ludha/Albert Gregor, Margarita Gritskova/Krista, Markus Marquardt/Jaroslav Prus, Carlos Osuna/Janek Prus, Wolfgang Bankl/Dr. Kolenaty, Heinz Zednik/Hauk-Sendorf, Thomas Ebenstein/Vitek, Marcus Pelz/Maschinist, Aura Twarowska/Aufräumerin und Ilseyar Khayrullova/Kammermädchen. Premiere am 13. Dezember. Weitere Aufführungen am 15., 18., 20. und 23. Dezember; „Peter Stein - 46 Videos. Die legendären Theater- und Opernarbeiten des großen Regisseurs“, Künstlerhaus, Erdgeschoß, Bis 14. Februar 2016, Di-So 10.18 Uhr, Do 10-21 Uhr, www.k-haus.at)




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