Letztes Update am Do, 10.12.2015 23:16

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fackelzug und Gottesdienst für verfolgte Christen in Wien



Wien (APA) - Die dramatische Lage der Christen in Syrien und im Irak, aber auch in Afrika stand im Fokus des diesjährigen Aktionstages der Plattform „Solidarität für verfolgte Christen“. Rund 1.500 Menschen zogen am Donnerstagabend im Zentrum Wiens in einem Fackelzug über die Kärntnerstraße zum Stephansdom, wo ein ökumenischer Gottesdienst zelebriert wurde.

„Christsein war noch nie so gefährlich wie heute“, hieß es in einem Aufruf der Plattform, in der etwa 20 christliche Menschenrechtsgruppen vertreten sind. Christen seien weltweit „von nackter Gewalt, Verfolgung und schweren Verletzungen des Menschenrechts auf Religionsfreiheit betroffen“. In islamischen Ländern müsse das Recht der Christen, „ihren Glauben öffentlich zu bekennen“, gewährleistet werden. Die Transparente der von Christian Solidarity International (CSI) organisierten Veranstaltung, die von Teilnehmern mitgetragen wurden, zeugten von dieser Situation: „Stopp Christenverfolgung“, „Stopp IS-Terror, Folter und Mord“, „Dialog statt Mord an Christen“ war zu lesen.

In Fürbitten beim Gottesdienst wurde der Opfer von Terror und religiös motivierter Gewalt in betroffenen Gebieten gedacht. Zu den Pariser Terroranschlägen hieß es: „Ermordet werden sollen unser europäisches Lebensgefühl, unsere (Religions-) Freiheit, unser Lachen.“ Im Nahen Osten würden christliche Dörfer überrannt und Christen von Kämpfern des „Islamischen Staates“ zwangs-islamisiert, versklavt oder barbarisch ermordet. In Afrika breite sich die islamische Terrorsekte von Nigeria auf Niger und Kamerun aus.

Der melkitische (griechisch-katholische) Pfarrer Hanna Ghonem sprach ein Vaterunser auf Arabisch, das einige der Anwesenden mitbeteten. „Die Opfer des IS sind die Martyrer von heute“, beklagte der Jugendseelsorger der Erzdiözese Wien, Gregor Jansen. Die Islamisten wollten das Christentum in seinen Kerngebieten im Irak und in Syrien ausrotten. Aber auch in Europa würden die anti-christlichen Signale immer hörbarer, stellte Jansen fest. Der Atheismus werde „immer lauter, Glocken, Kreuze, christliche Bräuche werden in Frage gestellt“. Trotzdem appellierte der Geistliche: „Werfen wir unsere Zuversicht nicht weg.“

Der Aktionstag zur Erinnerung an das Schicksal der verfolgten Christen fand am Jahrestag der Proklamation der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte statt. Der multikonfessionellen Plattform „Solidarität für verfolgte Christen“ gehören u.a. die Österreich-Sektion von CSI, die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV), die Evangelische Allianz, die Ökumenische Stiftung Pro Oriente, das Hilfswerk „Kirche in Not“ und die evangelikale Bewegung „Open Doors“ an.

Ein besonderer Gast war in diesem Jahr die in der Schweiz lebende Regisseurin Aida Schläpfer Al-Hassani, eine schiitische Muslimin mit irakisch-libanesischen Wurzeln, die kürzlich einen Film in ihrer früheren Heimat Irak drehte. Der Film „Noun - Christenverfolgung im Irak“ legt ein berührendes Zeugnis von christlichen Flüchtlingen im Nordirak, besonders Kinder, ab, die vor dem IS flüchteten. Al-Hassani ging an der Spitze des Fackelzugs mit. Nach der Gedenkfeier im Dom wurde in ihrem Beisein der Film „Noun“ (steht für Nazarener, Christen) im „Bellaria“-Kino gezeigt.




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