Letztes Update am Fr, 11.12.2015 05:48

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Jane Goodall setzt bei der UN-Klimakonferenz auf Erfolg



Le Bourget (APA/AFP) - Die berühmte britische Primatenforscherin Jane Goodall ist „vorsichtig optimistisch“, was das Ringen um ein neues Klimaschutzabkommen in Le Bourget bei Paris angeht. Besondere Dringlichkeit habe für sie dabei „die Rettung des tropischen Regenwaldes“, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. Goodall nimmt als UN-Friedensbotschafterin an der UN-Klimakonferenz teil.

„Ich denke, dass dort gute Ergebnisse herauskommen werden, bessere als ich zuvor erwartet hatte“, sagte die Wissenschaftlerin, die ihr Leben der Erforschung von Schimpansen und dem Schutz deren Lebensraums gewidmet hat. Die 81-Jährige ist denn auch vor allem mit einer Botschaft nach Le Bourget gekommen: „Ich bin hier, um den Wald zu verteidigen.“ Dies sei unverzichtbar im Kampf gegen die Erderwärmung, aber auch zum Schutz der biologischen Vielfalt.

„50 Prozent der tropischen Wälder sind schon verschwunden“, klagte Goodall. Entsetzt ist sie vor allem über die Waldbrände, von denen zuletzt besonders Indonesien betroffen war. Brandrodungen, um Platz für neue Palmölplantagen zu schaffen, haben auf den indonesischen Inseln Kalimantan und Sumatra bereits mehr als 1,7 Millionen Hektar Wald zerstört.

„Die Orang-Utans sind extrem bedroht durch die Brände“, warnte die Primatenforscherin, weil das Feuer ihren Lebensraum vernichte. Ähnliche Gefahren sieht Goodall aber auch in Brasilien, wo der Amazonas-Regenwald zerstört werde.

Mit 26 Jahren hatte Goodall einst mit der Erforschung von Schimpansen begonnen. Jahrelang lebte sie bei den Menschenaffen im Gombe-Park im Westen Tansanias. 1977 gründete sie das Jane-Goodall-Institut, zu dessen Zielen der Schutz der Biodiversität und die Förderung nachhaltiger Entwicklung zählen - besonders durch eine stärkere Sensibilisierung und Information der Bevölkerung.

Goodall ist Autorin zahlreicher Bücher. 2010 wurde ihrem Lebenswerk der Dokumentarfilm „Rückkehr nach Gombe“ gewidmet. Auch heute noch im hohen Alter fährt Goodall jedes Jahr für einige Tage dorthin, wo inzwischen andere Wissenschafter ihre Arbeit fortsetzen. „Meinen Schimpansen geht es gut“, freute sich die 81-Jährige, gerade habe es bei ihnen wieder drei Geburten gegeben.

Doch auch der Kampf gegen die Erderwärmung ist ihr wichtig. „Oft haben die Menschen den Eindruck, dass sie dagegen nichts tun können“, aber „jeder kann auf seine Art etwas tun“, ist sie überzeugt. „Jeder von uns kann jeden Tag etwas verändern, durch das, wofür er sich entscheidet“ - ob dies das Ausschalten unnötigen Lichts sei oder das Recyceln von Abfall.

Auch durch eine bewusste Auswahl von Lebensmitteln lasse sich viel bewirken, denn die industrielle Landwirtschaft verursache einen hohen Ausstoß des Treibhausgases Methan. Goodall selbst hat sich entschieden, vegetarisch zu leben. Wenn Millionen Menschen viele kleine individuelle Entscheidungen treffen, „dann bewirkt das eine große Veränderung“, sagte die Forscherin.




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