Letztes Update am Fr, 11.12.2015 12:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Harte Wortgefechte vor entscheidender Runde französischer Wahlen



Paris (APA/AFP) - Mit harten Wortgefechten zwischen den Parteien ist Frankreich auf die zweite und entscheidende Runde der Regionalwahlen zugesteuert. Am Freitag sorgten weiter Äußerungen des sozialistischen Spitzenkandidaten für die Hauptstadtregion Ile-de-France, Claude Bartolone, über eine angebliche Präferenz der Konservativen für die „weiße Rasse“ für Aufregung.

„Ich nehme keines dieser Worte zurück“, betonte Bartolone, auch Präsident der französischen Nationalversammlung, im Sender i-Tele. Der Politiker hatte seiner konservativen Widersacherin Valerie Pecresse in einem Interview vorgeworfen, „die gleichen Äußerungen“ zu tätigen wie die rechtsextreme Front National (FN) von Marine Le Pen. „Indirekt verteidigt sie mit einem solchen Diskurs Versailles, Neuilly und die weiße Rasse.“

Währen Bartolone mit Versailles und Neuilly auf die beiden wohlhabenden Pariser Vorstädte anspielte, war der Ausdruck „weiße Rasse“ ein klarer Verweis auf einen Satz einer Parteifreundin von Pecresse: Die konservative Politikerin Nadine Morano, einst glühende Anhängerin von Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy, hatte Ende September gesagt, Frankreich sei ein „Land weißer Rasse“. Sie löste damit auch in der eigenen Partei einen Sturm der Entrüstung aus.

Bartolone hatte mit seinen Vorwürfen auf Kritik der Konservativen an seiner Politik im Problem-Departement Seine-Saint-Denis reagiert, das für seine berüchtigten Vorstädte und einen hohen Einwanderer-Anteil bekannt ist. Pecresse bezeichnete Bartolones Äußerungen als „niederträchtig“. „Ich schäme mich für die Politik.“ Während zahlreiche konservative Politiker eine Entschuldigung des Sozialisten forderten, stellte Regierungschef Manuel Valls sich hinter seinen Parteifreund.

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Am Sonntag steht in Frankreich die zweite und entscheidende Runde der landesweiten Regionalwahlen an. Die FN hatte in der ersten Wahlrunde am vergangenen Sonntag mit rund 28 Prozent der Stimmen einen Sieg eingefahren und landete in sechs der 13 Regionen vorn. Unklar ist aber, ob die Rechtsextremen im zweiten Wahlgang in einer Region auf eine Mehrheit kommen werden.

Der Wahlkampf wurde bis zuletzt mit harten Bandagen geführt. Während Valls der Front National am Freitag erneut vorwarf, die Franzosen zu „betrügen“, bezeichnete Le Pen ihre Partei als Opfer eines „intellektuellen Terrorismus‘“.




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