Letztes Update am Fr, 11.12.2015 13:18

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Neuer Bundestheater-Holding Chef: Bewerbung bekam „Eigendynamik“ 1



Wien (APA) - Christian Kircher, derzeit Finanzdirektor des Wien Museums, ist gestern, Donnerstag, als neuer Geschäftsführer der Bundestheater-Holding vorgestellt worden. Sein Amt tritt der 51-Jährige am 1. April 2016 an. Der APA gab Kircher am Tag nach seiner auch für ihn überraschenden Kür ein Interview.

APA: Herr Kircher, was waren denn die entscheidenden Punkte der Ausschreibung für die Bundestheater-Holding-Geschäftsführung, bei denen Sie sich wiedergefunden haben?

Christian Kircher: Das Grundinteresse ist sicher eines des Gestaltens - dass ich den Wunsch habe, an einer gesellschaftlichen Aufgabe mitzuwirken. Kultur und Kunst liegen mir sehr am Herzen. Es muss Menschen geben, die das mit dem notwendigen Herz, aber auch mit der notwendigen Professionalität betreiben.

APA: In der Ausschreibung heißt es auch: „Sehr gute Kenntnisse und Erfahrungen mit der nationalen und internationalen Theater- und Musiktheaterszene und deren organisatorischem Umfeld.“ Das würde ich aus Ihrem Lebenslauf nicht ad hoc herauslesen.

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Kircher: Die Frage ist, was man unter Erfahrung versteht. Ich bin als Eigentümervertreter im Wiener Theaterverein vertraut mit den Problematiken und den betriebswirtschaftlichen Problemstellungen von Theatern im nationalen Bereich. Mit dem Schoenberg Chor habe ich viele internationale Häuser kennengelernt und bin etwa im Piccolo Teatro, in der Scala, im Teatro San Carlo in Neapel gewesen. Ich kenne diese Bühnen von vorne und von hinten - was vielleicht auch nicht selbstverständlich ist.

APA: Wie intensiv sind denn Ihre Zuschauererfahrungen? An welche Aufführungen der letzten Zeit erinnern Sie sich besonders gerne?

Kircher: Bei den Festwochen finde ich immer wieder auch kleine Produktionen, die mich bereichern. Ich halte das Akademietheater für etwas risikoreicher als die Burg und finde dort immer wieder Aufführungen die mich beeindrucken - etwa „die unverheiratete“. Stefanie Reinsperger ist großartig. Es ist toll, dass es solche junge Künstlerpersönlichkeiten gibt, die nachkommen, die Kombination mit Elisabeth Orth hat mich besonders fasziniert. Im Off-Bereich hat mich die „Proletenpassion“ beeindruckt - weil ich etwa die Musik von Gustav sehr schätze.

APA: Die Bundestheater sagen von sich, sie seien der größte Theaterkonzern der Welt - mit 2.500 Angestellten. Mit wie vielen Angestellten hatten Sie es denn bisher im Wien Museum zu tun?

Kircher: Die Museen der Stadt Wien bestehen aus zwei Geschäftsbereichen, dem Wien Museum und der Stadtarchäologie. Das sind an die 200 Mitarbeiter, in der Projektphase des Depot-Neubaus waren es bis zu 250 Mitarbeiter.

APA: Sie haben bei Ihrer Präsentation gesagt, es sei auch für Sie eine Überraschung, hier zu stehen. War die Bewerbung einfach ein Versuchsballon?

Kircher: Ich habe bisher relativ viele kleine Sachen nebenbei gemacht. Wenn man sich das Vertrauen erwirbt, wird man immer wieder in ehrenamtliche Funktionen eingeladen, in einen Vorstand oder als Rechnungsprüfer etwa. Das habe ich auch immer gerne gemacht. Meine Motivation war nun, darauf aufmerksam zu machen, dass ich einmal gerne auch eine größere Verantwortung übernehmen will. Ich habe immer beispielhaft genannt, dass es mich etwa wahnsinnig interessieren würde, im Aufsichtsrat der Salzburger Festspiele zu sein. Die Bewerbung hat dann eine Eigendynamik angenommen, die mir immer größere Freude gebracht hat.

APA: Dabei kommen im Wien Museum gerade jetzt besonders spannende Jahre...

Kircher: Ich bin glücklich im Wien Museum, das ist eine großartige Herausforderung. Deswegen gibt es auch dieses wahnsinnig weinende Auge. Aber die Überlegung war ganz einfach, ob es im Alter von 51 Jahren noch einmal die Möglichkeit gibt, einen Schritt raus aus sich selbst zu setzen. Die Möglichkeit, sich noch einmal selbst neu zu erfinden und eine neue Herausforderung anzunehmen, wollte ich schlussendlich doch nicht vorbeiziehen lassen.

APA: Waren Sie ein Anhänger des Neubaus an einem neuen Standort oder wollten Sie mit dem Museum am Karlsplatz bleiben?

Kircher: In den viele Diskussionen mit Wolfgang Kos waren wir unter dem Strich klar der Ansicht, dass der Standort am Karlsplatz mehr Vorteile bietet als eine Absiedlung. Sonst hätte es schon eine fantastische Innenstadt-Lage sein müssen. Ich bin dreimal zu Fuß um den Ring gegangen um zu schauen, ob es irgendwo einen Platz gibt. So ist auch der Standort Morzinplatz/Schwedenplatz ins Gespräch gekommen. Das wäre so eine Jahrhundertchance gewesen.

(B I L D A V I S O – Bilder von Kircher wurden gestern über den AOM verbreitet und sind dort abrufbar.)




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