Letztes Update am Fr, 11.12.2015 15:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Glasstiel ins Auge gestochen: Boxkämpfer in Salzburg verurteilt



Salzburg/Anif (APA) - Der im November 2014 gestartete Prozess am Landesgericht Salzburg gegen einen 24-jährigen Boxkämpfer, der im Jahr 2013 einem 21-jährigen Salzburger ein Weinglas ins Gesicht gerammt und dabei schwer verletzt hat, ist am Freitag zu Ende gegangen. Der Angeklagte wurde wegen einer Straftat „im Zustand voller Berauschung“ zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten bedingt verurteilt.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Dem aus dem Flachgau stammenden Opfer, vertreten durch Rechtsanwalt Kurt Jelinek, wurden 7.000 Euro Teilschmerzensgeld zugesprochen. Der damals 21-jährige Bursch ist seit dem Vorfall an einem Auge blind. Der Angeklagte erklärte vor Gericht, es tue ihm sehr leid, er sei aber so betrunken gewesen, dass er sich an die Tat nicht erinnern könne.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Boxkämpfer wegen absichtlich schwerer Körperverletzung mit einer schweren Dauerfolge (Paragraf 87 StGB) angeklagt. Doch aufgrund eines Gerichtsgutachtens hat der Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Daniela Meniuk-Prossinger nicht ausschließen können, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt tatsächlich voll betrunken war, wie auch schon sein Verteidiger Hubert Stanglechner angenommen hatte. Im Zweifel wurde der Beschuldigte deshalb nach Paragraf 287 StGB (Begehung einer mit Strafe bedrohten Handlung im Zustand voller Berauschung) verurteilt, der einen geringeren Strafrahmen vorsieht.

Zugetragen hat sich der Vorfall in den Morgenstunden des 30. November 2013 im „Friesacher-Stadl“ in Anif bei Salzburg. Das Opfer, das offenbar schon vorher von dem Angeklagten und einem weiteren Mann angepöbelt und attackiert worden war, erlitt unter anderem eine Augapfelzerreißung, einen Glaskörperverlust, einen Netzhautriss und eine Netzhautabhebung. Mehrere Operationen unter Vollnarkose folgten, die Linse musste entfernt werden. Der Bursch kann nur mehr einen Rest-Lichtschein erkennen. Eine Besserung sei nicht mehr zu erwarten, auch nicht bei den Narbenbildungen im Gesicht, hatte Staatsanwalt Marcus Neher erklärt.

Zeugen konnten den Boxer eindeutig als Täter identifizieren. Der Angeklagte sagte, er habe am Abend vor dem Vorfall in einem anderen Lokal bei einem Krampuskränzchen einen sportlichen Erfolg gefeiert und mehrere Runden Bier und Schnaps bezahlt. Wie viel Alkohol er insgesamt getrunken habe, wisse er nicht.




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