Letztes Update am Fr, 11.12.2015 15:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Flüchtlinge - Filmschaffende fordern Asylgipfel bis Ende Jänner



Wien (APA) - Mehr als 5.800 Unterschriften prominenter europäischer Kollegen hat eine Gruppe österreichischer Filmschaffender bereits für „eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik“ gesammelt. Heute, Freitag, trafen Karl Markovics und sieben Mitstreiter der Petition „For a 1000 Lives“ auf Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) - um sie „ausdrücklich zu bitten, bis Ende Jänner einen Asylgipfel einzuberufen“.

Damit solle „allen relevant Beteiligten und Verantwortlichen“ - Ministerien und Landeshauptleuten, NGOs und freiwilligen Initiativen - „die Möglichkeit gegeben werden, an einem Tisch und vor allem auf Augenhöhe zu diskutieren“, so Schauspieler und Filmemacher Markovics („Atmen“) bei einer Pressekonferenz am Freitag im Anschluss an das Treffen mit der Ministerin. Fragen der Unterbringung, der Arbeitserlaubnis für Flüchtlinge und ähnliche Themen sollten dabei „so lange ausdiskutiert werden, bis sich keiner mehr auf den anderen ausreden kann, sondern bis man sich in einer Art Mitte trifft, wo man sagt: Das ist organisier- und finanzierbar und das ziehen wir jetzt durch“.

Mikl-Leitner sei auf den Vorschlag eines Asylgipfels in dieser Form zwar nicht eingegangen, habe aber zugesichert, das Thema beim nächsten Gipfeltreffen von Regierung und Landeshauptleuten im Jänner zur Sprache bringen. Und auch, wenn man sich nicht in allen Dingen einig sei: Markovics gehe es „angesichts der aktuellen Atmosphäre“ darum, den Rücken der Innenministerin zu stärken. Die habe etwa beim viel beachteten Asylgipfel im Sommer manch „überbordende Bekenntnisse“ erhalten, die nie eingehalten wurden.

Mit einem Brief wollen Markovics und prominente Kollegen wie Filmemacher Markus Schleinzer, Sabine Derflinger und Elisabeth Scharang daher vor allem die Landeshauptleute in die Pflicht nehmen, „das Gemeinsamkeitsprinzip in den Vordergrund zu stellen“. „Denn was wir im Moment in Europa erleben, ist eine schockierende Fragmentierung, nicht nur in der Gesellschaft sondern auch von Idealen, von Solidarität“, so Markovics. Der aktuellen Situation müsse man „mit Mut begegnen, nicht mit Angst“, meinte Schleinzer, der in der politischen Kommunikation beim Flüchtlingsthema vor allem „Angstmache“ ortet. „Das muss man lassen.“

Die Initiative „For a 1000 Lives“ wurde im September als Reaktion auf das Flüchtlingsdrama auf der A4 mit 71 Toten federführend von Produzentin Ursula Wolschlager und Dokumentarfilmerin Nathalie Borgers („Fang den Haider“) ins Leben gerufen und hat seitdem prominente Unterstützer wie Michael Haneke, Tom Tykwer oder Daniel Craig gewonnen. In drei zentralen Forderungen geht es vor allem darum, „die Menschenrechte wieder ins Zentrum zu rücken“, so Borgers am Freitag. Nach der Präsentation im EU-Parlament in Brüssel im Oktober soll das Anliegen nun an die jeweiligen Entscheidungsträger in den EU-Mitgliedsstaaten getragen werden. Man könnte nicht „auf eine gesamteuropäische Lösung“ warten, so Scharang, „bis wir unsere Probleme hier lösen“.

(S E R V I C E - www.for-a-1000-lives.eu)




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