Letztes Update am Sa, 12.12.2015 10:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klima-Gipfel - Non-Stop-Verhandlungen: Der Kampf gegen den Schlaf



Le Bourget (APA/AFP) - Ihre Aufgabe ist es, die Menschheit zu retten, doch während die UN-Klimakonferenz sich über den eigentlich geplanten Schlusstermin hinauszog, kämpften viele der erschöpften Delegierten vor allem mit dem Schlaf. Tausende Unterhändler haben fast zwei Wochen in Le Bourget vor den Toren von Paris um die richtigen Formulierungen gerungen. Viele von ihnen waren am Samstag am Ende ihrer Kraft.

In den vergangenen drei Tagen gingen die Verhandlungen non-stop rund um die Uhr. Neben die inhaltliche Herausforderung trat der Belastungstest für das rein körperliche Durchhaltevermögen. Nur noch Koffein, Adrenalin und die Hoffnung auf ein gutes Ergebnis hielten die Diplomatie am Laufen.

„Kaffee hilft immer, diese Konferenzen sind die einzigen Zeiten, zu denen ich Kaffee trinke“, sagte der südafrikanische Unterhändler Maesela Kekana. „Ohne Kaffee kann man hier nicht überleben.“ Guayanas Umweltminister Raphael Trotman betonte, er habe in zwei Nächten nur sechs Stunden Schlaf bekommen. „Mit etwas Adrenalin und viel Kaffee“ sei das aber noch okay. „Hoffnung und Erwartung treiben dich weiter“, auch gehe es allen anderen ja genauso. Allerdings habe er auch schon Kollegen gesehen, die in den Sitzungen eingenickt seien.

Eigenartige Bilder waren auf dem Konferenzgelände zu sehen: Delegierte, die in den Hallen auf Sesseln herumlagen, ohne Schuhe, Masken als Lichtschutz vor den Augen, um zwischendurch ein oder zwei Stunden Schlaf nachzuholen. Hochrangige Diplomaten schliefen in den Delegationsbüros auf dem Fußboden.

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Allmählich wirke sich die Müdigkeit auf die Fähigkeit aus, klar zu denken, meinte Espen Ronneberg aus der Delegation der Pazifikinsel Samoa. Auch der Umgangston habe sich geändert: „Wir sind alle müde und reden nicht mehr so diplomatisch. Stattdessen kommen wir direkt auf den Punkt.“ Die Begrüßung werde häufig gestrichen, ein leichtes Kopfnicken müsse reichen.

Große Delegationen sind in Le Bourget eindeutig im Vorteil, weil sie sich die Verhandlungszeiten aufteilen können. Am besten ist die EU dran, die auch ihre komplette Ministerriege gezielt auf unterschiedliche Beratungsrunden und -zeiten verteilen kann. „Kleine Länder haben dagegen kleine Delegationen und schlafen entsprechend weniger“, berichtete die kanadische Konferenzbeobachterin Naomi Klein.




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