Letztes Update am Sa, 12.12.2015 12:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


UniCredit-CEO: „Italiens Bankensystem ist solide“



Rom/Mailand (APA) - Nach dem Skandal um tausende Kleinsparer, die wegen der Pleite von vier Regionalbanken in Italien ihre Ersparnisse verloren haben, versichert der Chef der Bank-Austria-Mutter UniCredit, Federico Ghizzoni, dass Italiens Bankensystem solide sei. „Italiens Bankensystem ist robust, auch wenn es einige Herausforderungen gibt, mit denen es sich auseinandersetzen muss“, sagte Ghizzoni.

„Das Niveau der notleidenden Kredite ist in Italien sehr hoch. Das ist ein Problem, das gelöst werden muss. Doch internationale Institutionen wie die Europäische Zentralbank (EZB) haben immer wieder bestätigt, dass Italiens Bankensystem solide ist“, so Ghizzoni nach Medienberichten vom Samstag.

Der UniCredit-CEO verteidigte die italienische Notenbank gegen den Vorwurf, bei dem Zusammenbruch der vier Regionalbanken ihren Aufsichtspflichten nicht nachgekommen zu sein. „Auch ausländische Beobachter haben stets bezeugt, dass die Notenbank ihren Aufsichtsaufgaben mit Strenge und Effizienz nachkommt“, meinte Ghizzoni. In Europa seien riesige Kosten zur Bankenrettung entstanden, die acht Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) betrugen. In Italien sei dies nicht der Fall gewesen, meinte der Bankenchef.

Weil den vier Regionalbanken nach erheblichen Kreditausfällen Kapital fehlte, beschloss die Regierung von Premier Matteo Renzi im November einen Rettungsplan in Höhe von 3,6 Milliarden Euro. Das nötige Geld stammt aus einem privaten Fonds, an dem gesunde Kreditinstitute wie UniCredit oder Intesa Sanpaolo beteiligt sind. Die Pleitebanken sind Banca Marche, die Volksbank Etruria sowie die Sparkasse von Chieti und von Ferrara. Die faulen Kredite werden in eine Bad Bank ausgelagert. Die vier Institute werden jetzt rekapitalisiert und sollen verkauft werden.

Während Sparguthaben, Tages- und Festgeld bis 100.000 Euro auch in Italien unter die Einlagensicherung fallen, werden die 130.000 Inhaber von Aktien und Nachranganleihen der Regionalbanken aber an den Verlusten beteiligt. Damit haben tausende Kleinanleger ihre Ersparnisse verloren.

Medienberichten zufolge plant die Regierung in Rom jetzt einen Hilfsfonds, aus dem die sozial Schwächsten unter den Aktionären und Anleihe-Inhabern entschädigt werden sollen. Der Fonds soll angeblich mit 100 Millionen Euro dotiert sein. Für Eklat sorgte diese Woche der Fall eines Pensionisten aus der mittelitalienischen Stadt Civitavecchia, der sich erhängt hatte, nachdem er wegen der Pleite der Volksbank Etruria seine Ersparnisse in Höhe von 110.000 Euro verloren hatte.

~ ISIN IT0004781412 WEB https://www.unicreditgroup.eu ~ APA101 2015-12-12/12:17




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