Letztes Update am Sa, 12.12.2015 13:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Friedensprozess zwischen Türkei und PKK in weiter Ferne



Istanbul (APA) - Wegen der anhaltenden Zusammenstöße zwischen der Polizei und Anhängern der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) sind Viertel der Kurdenhochburg Diyarbakir im Südosten der Türkei von der Armee abgesperrt worden. Vor allem der zentrale Stadtteil Sur ist seit rund zehn Tagen von einer Ausgangssperre betroffen.

Hier kommt es laut türkischen Medienberichten regelmäßig zu Schießereien zwischen den Sicherheitskräften und den kurdischen Rebellen der YDG-H, der Jugendorganisation der PKK. Immer wieder wird in diesem Stadtteil die Ausgangssperre verhängt, und dann wieder stundenweise aufgehoben. Türkische Medien zeigen Bilder, wie die Einwohner dann mit Gepäck ihre Wohnungen verlassen, um sich in Sicherheit zu bringen. Die regierungskritische Tageszeitung „Cumhuriyet“ zeigte am Samstag Fotos, auf denen von Kugeln durchlöcherte Häuserwände und auch zusammengestürzte Häuser in Sur zu sehen sind.

Seit Ankara im Juli den Friedensprozess mit der als Terrororganisation eingestuften PKK für beendet erklärt hat, herrscht mancherorts im überwiegend kurdischen Osten und Südosten des Landes der Ausnahmezustand. Seitdem geht die Armee in einem Dutzend Städten gegen die PKK vor, die ihrerseits mit Gegenangriffen reagiert. Vergleichbare Operationen wie jetzt in Diyarbakir führte der türkische Sicherheitsapparat zuvor auch in Cizre, Silvan und Nusaybin durch.

Symbolträchtigste Stadt dabei war Cizre, weil diese als Hochburg der PKK gilt. Bei den Parlamentswahlen im Juli und bei den vorgezogenen Parlamentswahlen im November erhielt die pro-kurdische Oppositionspartei HDP hier über 92 Prozent. Im September riefen die kurdischen Einwohner in Cizre eine Selbstverwaltung aus. Eine vergleichbare Situation hatte es seit Mitte der 90er-Jahre nicht mehr gegeben. Es folgte ein Militäreinsatz samt Ausgangssperre, der rund neun Tage andauerte. Auf Bildern waren bürgerkriegsähnliche Zustände zu sehen. Die Straßenschlachten halten unterdessen weiter an. Immer noch werden kurzzeitig Ausgangssperren verhängt.

Im November wurden die Menschen in der Stadt Silvan mehr als zehn Tage lang von der Außenwelt abgeschnitten. Alle Straßen nach Silvan wurden abgesperrt. Einwohner berichteten später in den türkischen Medien, dass Kugeln auch in Wohnhäuser eingedrungen seien.

Mit 13 Tagen wurde ebenfalls im November die bisher längste Ausgangssperre in der türkisch-syrischen Grenzstadt Nusaybin verhängt. Wie in Cizre und Silvan wurde in weiten Teilen der Stadt der Strom abgeschaltet, Handynetze und Internetzugänge funktionierten nicht. Laut der Internetzeitung „Radikal“ kamen bei den Gefechten in Nusaybin mindestens neun Zivilisten ums Leben. Die Regierung spricht von fünf toten Zivilisten und 25 getöteten PKK-Anhängern.




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