Letztes Update am Sa, 12.12.2015 14:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Replikat von gestohlenem Caravaggio-Werk in Palermo enthüllt



Rom (APA) - Italiens Präsident Sergio Mattarella hat am Samstag in Palermo ein mit innovativster Technologie nachgemachtes Bild der „Geburt Christi“ von Caravaggio enthüllt. Das Original wurde 1969 gestohlen und ist seitdem verschwunden. Das Replikat eines der Hauptwerke des Renaissance-Genies ist im Oratorium an der Piazza San Francesco zu bewundern, aus dem das Bild gestohlen wurde.

Das Replikat wurde im Auftrag des TV-Senders Sky Arte von Factum Arte hergestellt, einer in der Produktion von nahezu perfekten Nachahmungen von Kunstwerken spezialisierten Gesellschaft, die unter anderem das Grab des Pharaos Tutanchamun nachgemacht hat. Mit hochinnovativer Technologie und dem Einsatz von Kunst- und Informatikexperten konnte das Leinwandbild nachgemacht werden. Die Entstehung des Projekts wird in einem von Sky Arte produzierten Dokumentarfilm mit dem Titel „Das Geheimnis des verlorenen Caravaggios“ erzählt, der im Jänner auf international ausgestrahlt werden soll.

1609 malte Caravaggio „Christi Geburt mit den Heiligen Laurentius und Franziskus“. Das Leinwandbild wurde in der Nacht vom auf den 19. Oktober 1969 von unbekannten Tätern gestohlen und ist bis zum heutigen Tag verschollen. Es gilt als das beste Werk, das Caravaggio auf Sizilien schuf. In der Fahndungsliste des FBI gehört es zu den zehn meistgesuchten Kunstwerken der Welt. Ermittler gehen davon aus, dass das Meisterwerk von der Mafia entwendet wurde und sich im „Privatbesitz“ eines Mafia-Bosses befindet.

Seit Jahren kursieren unterschiedliche Gerüchte über das Schicksal des Gemäldes. Francesco Marino Mannoia, ein ehemaliger Superboss der sizilianischen Cosa Nostra, der wegen zahlreicher Morde zu lebenslanger Haft verurteilt worden war und lang in einem US-Hochsicherheitsgefängnis saß, hatte berichtet, dass das Gemälde während des Diebstahls zusammengerollt wurde - und zwar so ungeschickt, dass es beim Aufrollen zu Staub zerfiel.

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Laut einem anderen „Pentito“, einem mit der Justiz zusammenarbeitenden reuigen Mafioso, sei das Werk in einer Scheune versteckt und von Ratten ruiniert worden. Die meisten Experten sind sich jedenfalls einig, dass die Mafia hinter der Entwendung des Meisterwerks steckt.

Die Nachbildung basiert auf Schwarz-Weiß-Fotografien des Gemäldes aus den 50er-Jahren. Die Experten studierten auch Caravaggios drei Gemälde in der Kirche San Luigi dei Francesi in Rom, um die genauen Töne der Farben nachzuahmen. „Auch wenn es sich nur um ein Replikat handelt, ist dieses Bild eine Art von Wiedergutmachung für Palermo nach dem Verlust eines derartigen Meisterwerks“, sagte Roberto Pisoni, Leiter der Sky Arts Production-Hub mit Sitz in Mailand. Technologie könne helfen, Kunstwerke wieder zugänglich zu machen, die aus unterschiedlichen Gründen beschädigt oder nicht mehr im Original gezeigt werden könnten, meinte Pisoni.

Präsident Mattarella begrüßte bei der Enthüllung des Caravaggio-Replikats die Verbindung zwischen „Technologie und Kultur“, was auch einen symbolischen Wert habe. „Palermo bekommt zwar nicht das Originalgemälde zurück. Die Stadt und ihre Besucher können jedoch den Eindruck wiedererleben, der das Werk in diesem Oratorium weckte“, betonte Mattarella.

Lynda Albertson, Leiterin des in Rom ansässigen Vereins zur Erforschung der Verbrechen gegen die Kunst, bezweifelt, dass die „Geburt Christi“ jemals wieder gefunden werden könne. „Es ist schwer, Kunstschätze 30 oder 40 Jahren nach ihrem Verschwinden wieder zurückzuerhalten“, meinte die Expertin. Der jüngste Diebstahl von 15 Gemälden aus einem Museum in Verona, bei dem Meisterwerke von Rubens und Tintoretto entwendet wurden, beweise, dass es immer noch einen Markt für gestohlene Kunst gebe, auch wenn diese nicht wieder verkauft werden könnte.




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