Letztes Update am Sa, 12.12.2015 15:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klima-Gipfel - Vertrag wäre für Grüne wäre „ein historischer Moment“



Le Bourget/Paris (APA) - In ein paar Stunden, sofern sich keiner der 196 Verhandlungspartner quer legt, soll das Klimaschutzabkommen auf der UN-Klimakonferenz in Le Bourget bei Paris angenommen werden. „Es wäre ein historischer Moment, weil sich die Staaten sogar zum 1,5-Grad-Ziel bekennen würden“, lautete die Ersteinschätzung von Christiane Brunner, der Umweltsprecherin der Grünen, zu dem 31 Seiten umfassenden Vertrag.

„In den letzten Jahren ist das Rad der Klimapolitik still gestanden. Heute hat es sich langsam vorwärtsbewegt. Um den Klimawandel einzudämmen wurde jetzt das langfristige Ziel verstärkt. Statt von ‚Emissionsneutralität‘, ist nun von de facto Null Treibhausgasemissionen in der zweiten Jahrhunderthälfte die Rede“, sah Adam Pawloff, Klima- und Energiesprecher bei Greenpeace Österreich, Fortschritte, die eine Energiewende unaufhaltsam machen.

Der aktuelle Vertragsentwurf sieht laut Global 2000 vor, die globale Erwärmung soweit wie möglich unter zwei Grad zu halten. Weiters sollen Anstrengungen unternommen werden, die globale Erwärmung auf maximal 1,5 Grad einzudämmen. „Derzeit führen die Zusagen der Staaten aber zu einer globalen Erwärmung von etwa 2,7 Grad, womit das Risiko steigt, dass Kipp-Elemente im Klimasystem überschritten werden“, befürchtete jedoch Global 2000-Klimasprecher Johannes Wahlmüller.

Der Text enthalte laut Brunner aber klare Zielsetzungen und sei auch ein deutliches Signal an die Märkte. Denn auch im letzten Text blieb es dabei, dass die jährlichen 100 Milliarden US-Dollar ab 2020 für Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen von Klimafolgen für die ärmeren Staaten als Untergrenze angesehen werden.

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„Diese Unterstützung soll bis zum Jahr 2025 aufrechterhalten werden. Noch vor 2025 soll ein neues Finanzierungsziel ausgearbeitet werden, das darüber hinausgehen soll. Diese Bestimmung soll aber nicht in den Vertrag aufgenommen, sondern separat festgehalten werden. Dass weiters nur eine Absicht festgehalten wird, kann als schwache Formulierung angesehen werden“, kritisierte der Global 2000-Klimasprecher.

Ebenfalls Eingang in den Text fand die Anerkennung bereits eingetretener Klimaschäden („loss and damage“), auch wenn hier keine eigene Finanzierung vorgesehen ist, sagte Brunner in ihrer ersten Analyse. Auch langfristige Ziele wurden in die 31 Paragrafen aufgenommen. So soll bis 2050 der Peak bei den Treibhausgasen erreicht sein und ab 2100 mit den Emissionen durch den Menschen ganz vorbei sein.

Positiv ist für die Umweltsprecherin der Grünen auch, dass der Weltklimavertrag, der ab 2020 das Kyoto-Protokoll ablösen soll, bei den „COP-Decisions vorsieht, im Jahr 2018 zu evaluieren, ob die Emissionszielpfade reichen, um die Lücken zum 1,5-Grad-Ziel zu schließen. „Das bedeutet zwar keine Verpflichtung, aber die Evaluierung wird Druck auf die Staaten machen, ihre nationalen Vorschläge zur Senkung der Treibhausgasemissionen (INDC) nachzubessern“, kommentierte Brunner diesen Punkt.

Wer die Inhalte des Vertrags ernst nimmt, wird ohnehin von sich aus die Anstrengungen erhöhen, bevor der eigentliche, fünfjährige, Revisionsprozess im 2023 startet, ist sich Brunner sicher. „Denn im Text steht auch, dass jedes Land Verantwortung trägt und so viel tun soll, wie es kann“, sagte Brunner und kündigte an, hier bereits ab kommenden Montag die österreichische Bundesregierung in die Verantwortung zu nehmen.




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