Letztes Update am Sa, 12.12.2015 16:00

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Dutzende Todesopfer bei neuer Gewaltwelle in Burundi



Bujumbura (APA/dpa) - In der burundischen Hauptstadt Bujumbura sind nach neuen Protesten gegen Präsident Pierre Nkurunziza 46 Leichen entdeckt worden. Viele der Opfer seien zuvor in Gefängnissen festgehalten worden, weil sie als Regierungskritiker an Demonstrationen teilgenommen hätten, sagte Anschaire Nikoyagize, der Präsident der Menschenrechtsorganisation „Burundian League for Human Rights“ am Samstag der dpa.

Die meisten der Toten hätten Schusswunden aufgewiesen. Es werde angenommen, dass sie hingerichtet worden seien. Zuvor hatte bereits ein Sprecher der Lokalverwaltung erklärt, in den Stadtteilen Nykabiga und Musaga seien Dutzende Leichen gefunden worden.

Ein Militärsprecher, der anonym bleiben wollte, berichtete zudem, es seien sieben Regierungssoldaten inhaftiert worden. Sie sollen mit bewaffneten Gruppen zusammengearbeitet haben, die am Freitag verschiedene Militärstellungen in der Hauptstadt Bujumbura angegriffen hatten.

Bei den Attacken waren mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen. Den ganzen Tag über waren Schüsse und Explosionen zu hören, die Menschen verschanzten sich in ihren Häusern. Den Angaben zufolge wollten die Angreifer Ausrüstung der Armee stehlen, um damit Gefangene zu befreien.

Im ostafrikanischen Burundi kommt es seit April immer wieder zu blutiger Gewalt. Damals hatte Nkurunziza angekündigt, entgegen der Verfassung für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Im Juli war er bei einer von der Opposition boykottierten Wahl in seinem Amt bestätigt worden. Wütende Bürger wollen den Staatschef stürzen.

Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind Menschenrechtlern zufolge bisher mindestens 240 Menschen getötet worden. 220.000 weitere sollen aus dem kleinen Land mit nur zehn Millionen Einwohnern geflohen sein.

In Burundi war erst vor einem Jahrzehnt ein verheerender Bürgerkrieg zwischen der Hutu-Mehrheit und der Tutsi-Minderheit mit 300.000 Toten zu Ende gegangen.




Kommentieren