Letztes Update am Sa, 12.12.2015 22:09

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klima-Gipfel - Greenpeace: „An Umsetzung hakt es noch“



Paris/Wien (APA) - Aus Sicht der Umweltschutzorganisation Greenpeace ist das Abkommen zwar ein „historischer Schritt“, greift aber noch nicht weit genug. Denn obwohl sich die Staaten darauf geeinigt haben, die globale Erderwärmung auf weit unter zwei Grad zu begrenzen, soll die Umsetzung spät erfolgen: Erst im Laufe der zweiten Jahrhunderthälfte will man den Ausstoß an Emissionen auf Null senken.

„Das wäre so, als ob man sich jetzt dazu entscheidet die Stromkosten zu senken, aber erst in einem Jahr das brennende Licht in der Wohnung abdreht“, sagte Adam Pawloff, Klima- und Energiesprecher von Greenpeace in Österreich: „Ein guter Ansatz, doch an der Umsetzung hakt es noch.“ Trotz der zeitlichen Verzögerung bedeute dieses Ziel ein absehbares Ende von Kohle, Öl und Gas. Denn um den Treibhausgasausstoß in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf Null zu senken, muss der Ausstoß von CO2 bereits wesentlich früher gestoppt werden. „Jetzt wird sich jeder Investor drei Mal überlegen, ob er weiterhin Geld in Kohlekraftwerke oder Ölprojekte stecken möchte. Das Ende der fossilen Ära wurde heute eingeläutet“, sagte Pawloff.

Global 2000 forderte nach dem Abschluss des Klimaschutzabkommens „mehr Herzblut beim Klimaschutz“: „Der Vertrag setzt das klare Ziel, die globale Erwärmung auf weit unter zwei Grad und maximal 1,5 Grad einzudämmen. Dieses Ziel muss jetzt aber auch in den einzelnen Ländern umgesetzt werden. Dafür braucht es mehr Ambition als bisher und auch in Österreich muss der Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energie in Angriff genommen werden“, betonte Johannes Wahlmüller, Klimasprecher und langjähriger Beobachter der UN-Klimakonferenzen.

Für die Industriellenvereinigung (IV) war das Ergebnis „insgesamt ein wichtiger Schritt“, wesentliche Fragen sowohl des Klimaschutzes als auch von fairen Wettbewerbsbedingungen seien dabei nicht im „erwünschten Ausmaß“ geklärt worden. „Die Bemühungen um ein globales Abkommen sind jedoch anzuerkennen“, so der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch. Insbesondere sei nun aber darauf zu achten, die Ergebnisse nicht als Aufforderung für einen weiteren klimapolitischen Alleingang der EU fehlzuinterpretieren. „Die bisherige Rolle Europas als einsamer Vorreiter im Klimaschutz hat kaum einen Effekt auf andere große Volkswirtschaften und damit auf das Weltklima. Die Industrie stehe voll und ganz zum Klimaschutz, „aber nur unter vergleichbaren und fairen Bedingungen. Neue Alleingänge unter den gegebenen Bedingungen und damit die schleichende Demontage des Industrie- und Arbeitsstandortes Europa sind daher entschieden abzulehnen“, betonte Kapsch.




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