Letztes Update am Fr, 05.02.2016 08:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ein Achterl auf Solopfaden: „Neapel“ von Clemens Wenger - Popnews



Wien (APA) - *

Ein Achterl geht eigene Wege: Clemens Wenger, bekannt als Gründer und Leiter der JazzWerkstatt Wien sowie Teil von 5/8erl in Ehr‘n, hat sein erstes Soloalbum eingespielt. Und was für eines. Auf „Neapel“ wagt sich der gebürtige Kremser weit vor in ganz unterschiedliche Bereiche von Jazz, Elektronik und auch Pop. Schon der Opener „The Circle Games“ zeigt Wengers Bandbreite recht eindrucksvoll, hebt mittels wunderbar eingängiger Klaviermelodie ab, um später sphärische Wanderungen zu unternehmen. Doch begnügt sich die am 4. März erscheinende Platte keineswegs mit solch anschmiegsamen Strukturen, sondern weiß den Hörer auch ordentlich zu fordern. Immer wieder wird abgetaucht, wird Schwung geholt und findet sich Wenger in überraschenden Gefilden wieder: Etwa dem melancholisch durchzogenen „Shoulder Press“ oder schmackhaften „Kleinen Schokoladen“, die zunächst ganz mager und reduziert daherkommen, bevor sukzessive und sehr genüsslich Soundschicht über Soundschicht gestapelt wird. Ein Ausflug nach Neapel hat schon lange nicht mehr so viel Spaß gemacht.

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Zweimal statt einmal: Der Australier Matt Corby, der sich in seiner Heimat schon einen Namen gemacht und u.a. mit dem Song „Brother“ einen Hit gelandet hat, ist offenbar recht streng mit sich selbst. Nach diversen EPs hat er vor zwei Jahren sein Debüt produziert - und es umgehend wieder eingestampft. Es war nicht das, was sich der Sänger vorgestellt hat. „Ich musste mein Scheitern akzeptieren und die Eier haben, es noch einmal zu tun“, wird er nun vom Label zitiert. Offenbar ist ihm das gelungen: Am 11. März erscheint nun „Telluric“. Darauf finden sich recht flotte Stücke wie „Knife Edge“, aber auch soulige Verbeugungen vor alten Helden („Sooth Lady Wine“) und reduzierte Melancholie („Monday“). Am 25. März ist der Musiker live im Wiener WUK zu erleben.

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Der Titel und das Covermotiv können in die Irre führen: Denn der junge Mann mit nacktem Oberkörper und Messer im Kopf, den die britische Band Money als Artwork für ihren Zweitling „Suicide Songs“ wählte, ist keineswegs Sinnbild für Härte oder Verzweiflung. Zumindest nicht in erster Linie. Stattdessen bewegt sich die Gruppe um Sänger Jamie Lee erneut zwischen den Polen Melancholie und Melodie. Leicht psychedelisch angehaucht, stützen sich Lieder wie „I Am The Lord“ auf eine ganz eigentümliche Harmonie, die orientalisch und bodenständig zur gleichen Zeit scheint. Die Wirkung entfaltet sich erst mit fortschreitender Dauer, dann aber ist man endgültig abgetaucht in das Universum von Money. Am 6. März wird das Liedgut im Wiener B72 vorgestellt

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Schwebende Synthies und reichlich Effekte auf der Stimme: Aaron Maine hat für das aktuelle Album seines Projekt Porches nicht unbedingt die „Weniger ist mehr“-Formel im Sinn gehabt. Auf „Pool“ durchquert der in New York beheimatete Musiker vielmehr geradlinig das Dreampop-Feld („Underwater“), schielt ab und an in Richtung Tanzfläche („Braid“) oder lässt sich zu leicht unterkühlten Zwischenspielen hinreißen („Shaver“). Ein oft angenehm rückwärts gerichteter Blick, dem zwischendurch aber die Substanz abhandenkommt.

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Seit 2004 veröffentlicht die kanadische Gruppe Junior Boys in ziemlich regelmäßigen Abständen von der Kritik gefeierte Elektro-Pop-Alben. Mit „Big Black Coat“ hat man nun eine jüngere Durststrecke von fünf albumlosen Jahren überwunden, aber Jeremy Greenspan und Matt Didemus scheinen in dieser Zeit keineswegs an Prägnanz eingebüßt zu haben. Soloarbeiten und andere Projekte wirkten offenkundig eher befruchtend, zeigen sich die elf neuen Tracks doch in gewohnter Weise sprunghaft und vielseitig, mit feinem Retro-Touch und doch zeitgemäß. Am 21. Februar lässt sich im Wiener B72 mit Junior Boys schwelgen, tanzen, singen.

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Wort-, Saiten- und Fellakrobatik: Die Chemnitzer Gruppe Dyse vereint diese Aspekte ihres Schaffens recht eindrucksvoll. Das aus Andrej Dietrich (Gitarre, Gesang) und Jarii van Gohl (Schlagzeug, Gesang) bestehende Duo serviert vorwiegend groovende Rocksongs mit augenzwinkernden Texten und ordentlichem Punch. Das verewigte man bisher nicht nur auf drei Alben, sondern auch auf etlichen Singles, die allerdings längst vergriffen sind. Um dem entgegenzuwirken, erscheint am 19. Februar eine „Single Compilation“ mit zwischen 2004 und 2010 entstandenen Songs. Den eigenwilligen Humor von Dyse untermauert dabei auch das aktuelle Video zu „Senge“, in dem es einleitend heißt: „Jari und Andre, zwei wie Bibi und Tina: Ewig schnatternd, schlecht frisiert und einzeln nicht lebensfähig.“ Aber zusammen ist man ohnehin weniger allein, werden sich Dyse denken.




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