Letztes Update am Mi, 10.02.2016 13:50

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zugsunglück in Bayern - Bahngewerkschaft fordert genaue Prüfung



Bad Aibling/Wien (APA) - Beim Zugsunglück in Oberbayern müsse „genau überprüft werden, ob hier nicht systemische Sicherheitsmängel vorliegen“, forderte Roman Hebenstreit, Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn in der österreichischen Gewerkschaft vida. Er hob zudem den Stellenwert einheitlicher, hoher Ausbildungsstandards im europäischen Eisenbahnwesen hervor.

Das Grundprinzip im Eisenbahnwesens laute: „Ein Fehler eines Einzelnen darf nicht zur Katastrophe führen.“ Wie es beim Unfall in Bad Aibling dazu kommen konnte, dass alle Schutzmechanismen versagt haben, müsse geklärt werden. Vorschnell die Schuld auf einen einzelnen Mitarbeiter abzuwälzen, sei der falsche Weg.

Die Eisenbahn als „industrialisierte Form des Verkehrs“ bedeute ein arbeitsteiliges Zusammenwirken von mehreren Personen im Betrieb, der Führer des Fahrzeuges verfüge immer nur über einen Teil der Informationen. Umso wichtiger sei die fundierte Ausbildung der Mitarbeiter. Österreich sei hier vorbildhaft.

Auf europäischer Ebene sehe die Sache anders aus: „Die bisherigen Aktivitäten der Europäischen Kommission gehen hier leider den genau gegenteiligen Weg“, kritisierte Hebenstreit. Einheitliche Ausbildungsstandards, etwa für einen Fahrdienstleiter, suche man vergebens. Die European Railway Agency (ERA) versuche, die Anforderungen an Grundqualifikation beim Triebfahrzeugführer auf Volksschulniveau zu senken.

„Ich fordere einheitliche, modulare Ausbildungen im europäischen Eisenbahnwesen“, sagte Hebenstreit. „Ich halte überhaupt nichts davon, dass Unter-20-Jährige bereits einen voll besetzten Schnellzug steuern dürfen sollen.“ Künftige Ausbildungsstandards müssten sich am höchsten Niveau orientieren.

~ ISIN WEB http://www.vida.at ~ APA418 2016-02-10/14:47




Kommentieren