Letztes Update am Do, 25.02.2016 13:29

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Keine Entspannung am Milchmarkt - Erstes „Mengen-Begrenzungssystem“



Wien/Gmunden (APA) - Die Lage für Milchbauern und -verarbeiter ist schwierig. „Momentan ist ehrlich gesagt nicht wirklich eine Entspannung in Sicht,“ warnte der Präsident der Vereinigung Österreichischen Milchverarbeiter (VÖM), Helmut Petschar, am Donnerstag gegenüber der APA. Die Gmundner Milch führt indes ein „Milchmengen-Begrenzungssystem“ ein, bestätigte Obmann Josef Fürtbauer der APA entsprechende Medienberichte.

Nach dem Ende der EU-Milchquote vor rund einem Jahr ist die Mengenanlieferung in Österreich um zehn Prozent gestiegen, so Petschar. Den gleichen Wert nannte Fürthbauer für seine oberösterreichische Milchgenossenschaft. Eine Reduzierung der Anlieferungsmengen ist bei der Gmundner Milch laut Fürthbauer notwendig, „weil der Markt die erzeugten Mengen in keinster Weise mehr aufnehmen kann“.

Der Anstieg der Liefermenge in Österreich um ein Zehntel - auf prognostizierte drei Milliarden Liter heuer - kommt richtig ungelegen. Der europäische Milchmarkt leidet doch unter dem Russland-Embargo und einem schwächelnden Markt in China, sagt Petschar. Die Anliefermengen seien beispielsweise in Ländern wie Irland, den Niederlanden und Luxemburg noch deutlich stärker angestiegen als hierzulande, was den europäischen Markt noch mehr belaste.

In den nächsten Wochen dürften die Anlieferungen hierzulande auch noch weiter ansteigen - Grund ist, dass der Bauernmilchpreis auf rund 27 bis 29 Cent netto gesunken ist und die Landwirte ihren Umsatz stabil halten wollen, wenn der Milchpreis sinkt.

Die Molkereien können noch mehr Milch eigentlich alles andere als gebrauchen. Petschar geht davon aus, dass einzelne Molkereien auf die schwierige Lage reagieren werden. Das ist in Österreichs drittgrößtem Molkereiunternehmen, der Molkereigenossenschaft Gmundner Milch, nun eben auch schon der Fall. Man habe schon länger überlegt, wie man die Milchbauern überzeugen könnte, weniger anzuliefern, erklärte Fürtbauer. Bei Informationsveranstaltungen, die auch einem gegenseitigen Austausch gedient hätten, habe man 2.300 der insgesamt 2.800 Genossenschaftsbauern erreicht.

Die Gmundner Milch nimmt die im Vorjahr von den Bauern angelieferte Jahres-Gesamtmenge her und dividiert diese durch zwölf. Dann wird darauf aufbauend ein Bonus-Malus-System angewendet, bestätigte Fürthbauer entsprechende Berichte der „Oberösterreichischen Nachrichten“ („OÖN“) und der „Bauern Zeitung“. Je nach dem wie viel der einzelne Bauer im Zwölftel-Vergleich anliefert bekommt er je Liter Milch einen Bonus oder Malus. Vom Basispreis von derzeit 27 Cent je Liter kann der Bauer, liefert er ähnlich oder weniger als im Vorjahr an, bis zu 29 Cent je Liter lukrieren. Bei einer zu hohen Anlieferungsmenge hingegen kann der Literpreis den die Molkerei ausbezahlt auf 25 Cent oder sogar bis zu 23 Cent pro angeliefertem Liter gedrückt werden, rechnete Fürthbauer im APA-Gespräch vor.

Es können also vom Basispreis bis zu 2 Cent zusätzlich lukriert oder 4 Cent „verloren“ werden.

„Es war kein leichter Beschluss“, sagte der Gmundner-Milch-Obmann mit Verweis auf „ein österreich- und EU-weites Problem“ zu hoher Milchmengen. Der Beschluss ist schlussendlich aber von den 40 gewählten Genossenschaftsfunktionären einstimmig bis auf Widerruf beschlossen worden. Ein paar Monate werde man das Modell bestimmt evaluieren, sagte Fürtbauer.

Die „OÖN“ schreiben, schließlich könnten bei der Berglandmilch womöglich ähnliche Beschlüsse erfolgen. Ein Sitzung gibt es am Freitag, dort sollen die neuesten Zahlen analysiert werden.

Petschar sagte, dass der Interventionspreis (EU-garantieret Mindestpreis im Gegensatz zu Weltmarktpreis) von 20 Cent je Liter nicht mehr zeitgemäß sei und dachte hier eine Erhöhung an. Er appellierte mit Verweis auf die beste Qualität der österreichischen Milchprodukte an den Handel, die Gastronomie und die Konsumenten zu heimischen Waren zu greifen. „Letztendlich ist die Politik gefragt. Wichtig wäre ein Aus des Russland-Embargos, um eine entsprechende Entlastung zu finden.“

Vorige Woche hatte bereits der ÖVP-Bauernbund an die Milchbauern appelliert, die Liefermengen wenn möglich abzusenken.




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