Letztes Update am Mi, 02.03.2016 13:23

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Milchpreis - Landwirtschaftskammer-Präsident lobt Gmundner Modell



Wien (APA) - Der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Hermann Schultes, begrüßt angesichts des dramatisch niedrigen Milchpreises das umstrittene „Milchmengen-Begrenzungssystem“ der Gmundner Molkerei. Es handle sich nicht um ein Milchquotensystem, sondern um eine „sehr vernünftige Zielmengenvereinbarung“, sagte Schultes am Mittwoch im APA-Gespräch.

Die Gmundner Milch nimmt die im Vorjahr von den Bauern angelieferte Jahres-Gesamtmenge her und dividiert diese durch zwölf. Dann wird darauf aufbauend ein Bonus-Malus-System angewendet. Je nachdem, wie viel der einzelne Bauer im Zwölftel-Vergleich anliefert bekommt er je Liter Milch einen Bonus oder Malus. Vom Basispreis von derzeit 27 Cent je Liter kann der Bauer, liefert er ähnlich oder weniger als im Vorjahr an, bis zu 29 Cent je Liter lukrieren. Bei einer zu hohen Anlieferungsmenge hingegen kann der Literpreis, den die Molkerei ausbezahlt, auf 25 Cent oder sogar bis zu 23 Cent pro angeliefertem Liter gedrückt werden.

Auch die anderen Molkereien in Österreich sollten sich das Gmundner-Modell genau ansehen, empfahl Schultes. Ein erster Schritt, um die „sehr unangenehme Milchwelle“ etwas abzufedern, wäre auch, Milch an die Kälber zu verfüttern und nicht sogenannte „Milchaustauscher“ zu verwenden.

Die EU-Agrarminister wollen am 14. März erneut über die schwierige Lage am Milchmarkt beraten. Laut dem Landwirtschaftskammer-Präsidenten werden die Bauernvertreter den Agrarministern ein Mengenvereinbarungsmodell auf europäischer Ebene vorschlagen. Die EU-Kommission würde beispielsweise eine Milchmengenreduktion um 3 Prozent ausschreiben und die Molkereien könnten sich dafür bewerben, um eine Ausgleichszulage für die Mengenreduktion zu erhalten. Für dieses Modell müsse der EU-Agrarkommissar aber aus wettbewerbsrechtlicher Sicht noch grünes Licht geben. Die bis März 2015 geltenden Produktionsquoten für Milch sind für Schultes definitiv kein Thema mehr. „Das Wort Quote werde ich nicht mehr verwenden“, betonte der Landwirtschaftskammer-Präsident.

Die Milchpreise haben in den vergangenen Jahren eine Berg- und Talfahrt erlebt. Das aktuelle Tief rührt einerseits vom Überangebot an Milch im Gefolge der Liberalisierung des EU-Milchmarkts - im März 2015 wurden die Milchproduktionsquoten abgeschafft. Andererseits machen den heimischen Molkereien das Russland-Embargo und der schwächelnde Absatz in China zu schaffen. Seit März bekommen die heimischen Milchbauern von den großen Molkereien nur mehr 27 bis 29 Cent für ein Kilo konventionelle Milch. Vor der Krise, im Rekordjahr 2008, waren es noch 40,5 Cent gewesen, dann stürzte der Preis aber bis Juli 2009 auf 25 Cent ab, ehe er sich wieder erholte. Deutlich besser ist der Preis für Biomilch, derzeit erhalten die Bauern dafür mehr als 40 Cent.




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