Letztes Update am Mi, 02.03.2016 16:53

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bitte anschnallen: „Lucy fliegt“ in Petra Piuks Debütroman



Wien (APA) - „Lucy fliegt.“ Nach Hollywood. Obwohl sie schrecklich Flugangst hat. Doch die Filmwelt wartet dringend auf sie. Bildet sich die 23-Jährige ein. Wie so vieles in ihrem bisherigen Leben, in dem sie sich permanent unter Druck setzt. Bis zur Hyperventilation. „Lucy fliegt“ ist der originelle Debütroman von Petra Piuk. Morgen, Donnerstag, wird er präsentiert. In Wien, nicht in Hollywood.

Wie jedes Jahr hat auch heuer wieder eine andere den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle erhalten. Diesmal war es die 26-jährige Brie Larson. Die wusste zwar auch schon mit sieben Jahren, dass sie Schauspielerin werden würde, aber ist keineswegs eine dumme Nuss ohne Schulabschluss. Jennifer Lawrence, die in ihrem 23. Lebensjahr den Oscar gewann, hat sogar zwei Klassen übersprungen. Und Emma Watson, der Lucy angeblich aus dem Gesicht geschnitten ist, hat einen Bachelor in englischer Literatur. Lucy braucht das alles nicht. Die übt lieber fleißig vor ihren Stofftieren für ihre Oscar-Rede und gibt auf Facebook schon mal Hollywood als Wohnadresse an.

Dass ausgerechnet eine „Doku-Soap-Schlampe“ der jungen Frau, die als Erste ihrer Klasse ihre Jungfernschaft loswerden konnte und ihr Liebesleben auch in der Folge recht freizügig gestaltete, den Freund ausspannte, ist eine hübsche Pointe, wenn man die Biografie der 1975 in Güssing geborenen Autorin studiert: „Lebt und arbeitet als freie Autorin und Fernsehredakteurin in Wien. Schauspielausbildung. Jahrelange Tätigkeit im Doku-Soap-Bereich“, heißt es da.

Der durch ein Projektstipendium für Literatur geförderter Roman der Absolventin der Leondinger Akademie für Literatur ist ein originell strukturierter innerer Monolog, in dem sich Lucy, die eigentlich Linda heißt, im Turbo-Tempo dorthin beamt, wo sie gerne sein möchte: im Mittelpunkt. Immer knapp vor dem Ausrasten hat sie den Boden unter den Füßen längst verloren. Nicht nur, weil sie nun zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Flieger sitzt. Und dabei möglichst auch das erste Mal in ihrem Leben Sex auf einer Flugzeugtoilette haben will. Hat sie Sex doch immer schon als Aufstiegschance gesehen. Und realisieren müssen, dass das ihre einzige Chance ist.

Auf ein Filmset hat sie es bisher nur als Catering-Mitarbeiterin geschafft. „Lucy fliegt“ nämlich, das machen die immer greller und schneller werdenden Rückblenden deutlich, von einem Desaster ins nächste. Das Assessment-Center für die Stewardessen-Ausbildung, die Schauspielschule - alles endet in der Katastrophe. „Lucy fliegt“ aber auch von einem zum andern, im Glauben, dass ihre vollständige körperliche Einsatzbereitschaft honoriert würde. Sie trägt ihr aber nur die Bezeichnung „Möchtegern-Schauspielerin und Teilzeit-Prostituierte“ ein. In einem Yellow-Press-Artikel über sie als „schrägste Kandidatin der Sendung“.

Das ist nämlich der Schlussakkord in dem von Petra Piuk druckvoll entfachten schrägen Sound-Gewitter: „Lucy fliegt“ nicht nach Hollywood. Sondern nach Düsseldorf. Als Kandidatin der Casting-Sendung „Hollywood-Mega-Star“. Längst hätte man Lucy da wenigstens ein paar Sympathiepunkte gegönnt. Doch das Business ist gnadenlos. Das gilt für den Film. Und für die Literatur.

(S E R V I C E - „Lucy fliegt“ von Petra Piuk, Kremayr & Scheriau, 192 S., 19,90 Euro; Buchpräsentation: Donnerstag, 3. März, 19.30 Uhr, in Buchhandlung Morawa, Wien 1, Wollzeile 11, www.petrapiuk.at)




Kommentieren