Letztes Update am Do, 03.03.2016 07:38

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zusammen ist man weniger allein: Gorilla Biscuits in der Arena



Wien (APA) - Nicht nur Arme waren da in der Luft, auch Beine standen kreuz und quer in die große Halle der Wiener Arena: Ein beinahe undurchschaubares Knäuel aus Körpern und Gliedmaßen hatte sich wie ein eigenständiges Lebewesen vor die Bühne gedrängt, um den Gorilla Biscuits die Ehre zu erweisen. Die gleichermaßen kurzlebige wie einflussreiche US-Hardcore-Band sieht man schließlich nicht alle Tage.

Es waren nur wenige Jahre Ende der 80er und Anfang der 90er, aber die haben Gitarrist Walter Schreifels, Sänger Anthony „Civ“ Civarelli und Konsorten gereicht, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ganz dem damaligen Trend in New York und Umgebung folgend, gründete man eine Gruppe, die sich der Straight-Edge-Szene zugehörig fühlte und somit Drogen oder Alkohol links liegen ließ. Mit durchaus gesellschaftspolitischem Anspruch galt es stattdessen, in maximal dreiminütigen Krachern der Welt entschlossen, aber auch gut gelaunt entgegen zu treten.

Einige Singles, Seven-Inches und schließlich einen Longplayer („Start Today“ von 1989) später war man aber auch schon wieder Geschichte und stürzten sich die Mitglieder in diverse andere Projekte. Den Charme dieser Songs, die viel von modernem Punk der 90er und Hardcore der 2000er vorwegnahmen, tat dies aber keinen Abbruch - im Gegenteil. Wie oft in solchen Fällen kam es zu einer Überhöhung und Legendenbildung, wurden neue Formationen zwar goutiert, aber stets auch an alte Tage herbeigesehnt. Wer das Schicksal der Spätgeborenen erlitten hat, konnte in den vergangenen Jahren wenigsten vereinzelte Reunion-Auftritte genießen.

So auch am Mittwochabend im Rahmen des „Together Fest“: Kaum jemand aus dem Publikum wird „damals“ dabei gewesen sein, aber ungemein viele hatten Stücke wie das druckvolle „Big Mouth“ oder die Durchhalteparole „Hold Your Ground“ sicht- und hörbar verinnerlicht. Die Biscuits ließen für ihre alten und neuen Fans nichts zu wünschen übrig, starteten das Set mit einer amüsanten Brass-Einlage und einem dementsprechend gelungenem Auftritt auf der Bühne, bevor knapp 50 Minuten lang Energie, Punch und vor allem gute Laune als vorherrschende Narrative durch den Abend führten.

Es war schon erstaunlich, wie zeitgemäß die Songs dabei wirkten: Mag es am exzellenten Sound gelegen haben oder der Spielfreude der Protagonisten, bei denen Bassist Arthur Meow Smilios das groovende Fundament lieferte, aber dass man es hier mit bald 30 Jahren alten Stücken zu tun hatte, musste man sich schon bewusst vor Augen führen. Immer wieder animierte Civarelli die Meute, ging auf Tuchfüllung mit den ersten Reihen oder überließ einem Fan später gleich für eine ganze Strophe das Mikrofon (was ungemein gut funktionierte) - hier wurde alles geboten, was eine gelungene Hardcore-Show braucht.

Dass keine Ermüdungserscheinungen im Publikum auftraten, war auch insofern bemerkenswert, als das „Together Fest“ mit einem umfangreichen Programm in der Bundeshauptstadt Halt machte. Neben den beiden Anheizern GWLT und Miles Away gab es etwa einen gewohnt energetischen Auftritt von Touche Amore mit Hardcore, der seine Faszination stark aus einer lyrischen Komponente (musikalisch wie textlich) zieht. Die Band um Sänger Jeremy Bolm machte wirklich Lust auf das für Ende des Jahres angekündigte vierte Album. Etwas unter ihrem Niveau geschlagen geben mussten sich indes Modern Life Is War, für manche die geheimen Headliner des Abends, deren Moshparts zwar überzeugend, aber mit insgesamt zu wenig Dynamik dargeboten wurden.

Zu wenig Abwechslung konnte man den Gorilla Biscuits nicht vorwerfen: Kurze Zwischenspiele nahmen immer wieder Druck und Tempo raus, Schreifels entlockte seiner Gitarre das ein oder andere melodische Einsprengsel und Civarelli servierte in den obligatorischen kurzen Hosen mehr als nur eine unterhaltsame Tanzeinlage. „Kommt rauf, kommt alle rauf, diese Bühne gehört euch“, lud er nach einer schweißtreibenden Performance zum kollektiven Abschluss - der nicht nötigen Aufforderung waren schon bis dahin Etliche immer wieder und wieder gefolgt. Man kennt es ja: Im Hardcore ist man nur zusammen weniger allein.




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