Letztes Update am Mi, 23.03.2016 07:58

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


An Arbeitslosigkeit verzweifeln: „I work, therefore I am“ im Vestibül



Wien (APA) - Steigende Arbeitslosigkeit, Wandel des Arbeitsmarktes und die damit verbundenen Ängste - auf diese aktuellen Probleme will Regisseurin Annette Raffalt in ihrem neuen Stück „I work, therefore I am“, das Dienstagabend in der Schiene „Junge Burg“ im Vestibül Premiere feierte, reagieren. Nachhaltig wirkende Aussagen kamen dabei zu kurz. Dank des talentierten Ensembles dennoch ein unterhaltsamer Abend.

Fünf arbeitslose Schauspieler in einem nichtssagenden Warteraum. Quälende Minuten vergehen bis einer nach dem anderen zu dem alles entscheidenden Vorstellungsgespräch für ein renommiertes Theater aufgerufen wird. Dann plötzlich der Auftritt einer bleich geschminkten Frau im schwarzen Kleid und mit langem weißen Haar: „Ich bin die Kraft, die Künstlern viel zu schaffen macht“, verkündet die personifizierte Angst, dargestellt von Natalie Heilinger. „Ich bin ein Virus, mich werdet ihr nicht mehr los.“

Über das gesamte Stück hinweg ist zu sehen, wie die stetig nervöser werdenden Bewerber von den Blicken der personifizierten Angst durchbohrt werden. Immer wieder kommt es zum Freeze: Während sich die Darsteller nur mehr in Zeitlupe über die Bühne bewegen, wird ihre innere Gefühlswelt von der Angst beschrieben - inklusive Aufzählung der „Unterängste“ von Schauspielern wie sozialer Absturz, Armut, Alter oder Konkurrenz. Ein Effekt, der anfänglich originell erscheint, aber durch die ständige Wiederholung den Abend auch in die Länge zieht.

„Arbeit folgt nicht mehr den Arbeitenden, sondern die Arbeitenden der Arbeit“, so eine der verzweifelten Bewerberinnen. Eine der wenigen pointierten Aussagen in „I work, therefore I am“. Fakten und Zahlen zum Thema Arbeitslosigkeit werden teilweise in zu kurzen Zeitabständen zu schnell präsentiert. Zu lange Videoeinspielungen von Experten, wie etwa Petra Draxl, Leiterin des S Wien, oder vom Schweizer Unternehmer Daniel Häni, werden zu selten vorgestellt. Eine bessere Aufteilung auf die gesamte Länge des Stückes würde für mehr Abwechslung sorgen. So mangelt es am richtigen Timing.

Überzeugen kann in erster Linie das junge Ensemble. Vor allem Heilinger sticht durch die ständige Präsenz hervor. Die schwierige Aufgabe, ein personifiziertes Gefühl darzustellen, meistert sie mit Bravour. Aber auch Raphael Cisar glänzt als einer der Jobsuchenden. Unbeirrt gibt er einen Monolog über die Flüchtlingskrise als Vorbereitung für das bevorstehende Vorstellungsgespräch zum Besten, während Heilinger im Hintergrund „Davon geht die Welt nicht unter“ singt. Laura Hermann sorgt als „Schauspieler-Tussi“, unter anderem im Hasenkostüm, mehrmals für komische Momente.

Regisseurin Raffalt leitet seit September 2009 gemeinsam mit Ehemann Peter Raffalt die „Junge Burg“, das Kinder- und Jugendprogramm des Wiener Burgtheaters, und fand zuletzt Anklang mit „Familiengeschichten. Belgrad“ von Biljana Srbljanovic. Die Schwester von Ex-Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann kann mit ihrem neuen Bühnenwerk, das in Kooperation mit dem AMS Wien entstanden ist, dieses Niveau nicht halten. Dennoch kräftiger Applaus und einige Bravorufe, die vor allem dem talentierten Ensemble zuzurechnen sind.

(S E R V I C E - „I work, therefore I am“ im Burgtheater-Vestibül, Regie: Annette Raffalt, Bühne und Kostüme: Eva Gumpenberger, Stefanie Muther, Video: Sophie Lux. Mit: Natalie Heilinger, Laura Hermann, Anna Mitterberger, Albane Troehler, Raphael Cisar, Pierre Gold, Bernhard Singer, Frederic Troehler; Nächste Vorstellungen: 23. und 26.3., 2. und 3.4., 6., 7., 8., 10. und 11.5., Tickets und Infos unter www.burgtheater.at)




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