Letztes Update am Fr, 25.03.2016 07:10

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Beschlagnahmtes Cranach-Gemälde: „Werden uns das nicht bieten lassen“



Aix-en-Provence/Wien (APA) - Johann Kräftner, Direktor der Kunstsammlung des Fürstenhauses Liechtenstein, ist immer noch in Rage: Anfang März wurde ein „Venus“-Gemälde von Lucas Cranach ohne Vorwarnung von den französischen Behörden direkt aus der Sammlungspräsentation im Caumont Centre d‘Art in Aix-en-Provence beschlagnahmt. Seither befindet es sich „angeblich“ im Louvre, genau weiß Kräftner es nicht, wie er zur APA sagt.

„Wir können nicht Nachschau halten. Die französischen Behörden bestellen jetzt ihre Gutachter, darauf haben wir keinen Einfluss“, so der hörbar tief getroffene Direktor, der nach wie vor daran glaubt, dass das Bild „in Ordnung“ ist, wie er zuvor bereits gegenüber dem „Standard“ und den „Salzburger Nachrichten“ bekräftigt hat. „Wir haben alle Gutachten der Welt“, spielt er auf jene Maßnahmen an, die man rund um den Kauf des Werks getroffen habe, um seine Echtheit sicherzustellen. Die französischen Ermittler, die aufgrund einer anonymen Anzeige tätig wurden, stoßen sich etwa daran, dass das Bild auf einer Eichenholztafel gemalt wurde, was für Cranach nicht typisch sei.

„Der Schaden, der uns bei all dem entsteht, ist mindestens so groß wie der der Franzosen“, ist sich Kräftner sicher. Schließlich stehe das Insitut de France hinter der noch bis zum 28. März laufenden Schau, für die auch französische Experten den Katalog verfasst hätten. Die „Venus“ ziert gar das Titelbild des Katalogs. Eine erste Konsequenz: Die Sammlung Liechtenstein wird in Zukunft keinerlei Werke mehr nach Frankreich verleihen; auch alle weiteren Museen im Ausland, mit denen man bereits Leihverträge für die Zukunft abgeschlossen hat, müssen nun eine Garantie abgeben, dass die Werke nicht beschlagnahmt würden. Eine geplante Ausstellung im Metropolitan Museum stehe auf wackeligen Beinen, wohin die Schau im Anschluss an den Louvre hätte gehen sollen.

Das Vorgehen der Behörden nennt Kräftner schlicht „degoutant“ und spricht von „Alleingängen einer wildgewordener Richterin“. Die Ermittler hätten ihn beim Verhör beschuldigt, mit dem „fahrlässigen Kauf eines gefälschten Werks“ den Schwarzgeldmarkt zu unterstützen. „Sie warfen uns in denselben Topf wie den illegalen Antikenhandel“, ärgert sich der Direktor. „Wir sind die Geschädigten, werden aber als Täter hingestellt.“ Der Ermittler sei so weit gegangen, ihn zu bezichtigen, Fälscherbanden und dem Waffen- und Drogenhandel in die Hände gespielt zu haben. „Das ist ein krauses Konstrukt“, so Kräftner. Folge sei ein großer Imageschaden, der dem Begriff Liechtenstein entsteht, egal ob der Familie oder dem Staat. „Dass wir das wie die Blöden hinnehmen, werden wir uns nicht bieten lassen.“

Bis Ende Juni will die Staatsanwaltschaft nun ihr eigenes Gutachten vorlegen, „dann mahlen die Mühlen weiter. Wenn wir Glück haben, dauert es bis zur Entscheidung ein halbes Jahr, aber es können auch zwei bis vier Jahre werden. Und wir müssen dem zuschauen.“ Normalerweise gebe es die Regelung, „dass man das Eigentum von Staatsoberhäuptern nicht angreift“, so Kräftner. Der Fürst von Liechtenstein habe jedenfalls „einen bösen Brief an die Kulturministerin geschrieben, dass das keine Vorgangsweise zwischen befreundeten Staaten ist.“

Erklären kann sich Kräftner die anonyme Anzeige nur durch einen früheren Zwischenhändler, der sich nun Anteile am Verkaufserlös sichern will. Aufgrund einer Nachfolgeregelung in Frankreich können frühere Besitzer von Kunstwerken einen Teil jenes Gewinns erhalten, der bei späteren Verkäufen erzielt wird. Stutzig mache jedenfalls, dass in der anonymen Anzeige der Kaufpreis von sieben Mio. Euro genannt worden sei, den die Sammlung davor jedoch nicht öffentlich gemacht hatte. „Das ist etwas, das wir vertraulich behandeln. Ich vermute irgendeine undichte Stelle in der Kette des Kunsthandels.“ Die Anzeige sei „schlecht formuliert“, enthalte aber „viele Dinge, die wir gar nicht gewusst haben“.

Das bis dahin in der Fachliteratur unbekannte, auf 1531 datierte Werk war 2012 auf den Markt gekommen, ein dendrochronologisches Gutachten habe den Datierungszeitraum bestätigt. Das bereits damals nachgewiesene Titanweiß, das erst seit dem 20. Jahrhundert verwendet wird, führt man auf spätere Restaurierungsarbeiten zurück. 2013 erwarb die fürstliche Sammlung das Werk schließlich beim britisch-deutschen Kunsthändler Bernheimer-Colnaghi. Der „Standard“ zitiert allerdings Michael Hofbauer, Leiter des Cranach Research Insitute in Heidelberg, der sich eine Fälschung vorstellen kann. Er verweist auf den Cranach-Fälscher Christian Goller, einen Restaurator aus Niederbayern. Kräftner vertraut auf seine Gutachter. Und wartet weiter auf die Entscheidung aus Frankreich.




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