Letztes Update am Mi, 30.03.2016 13:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mord mit Charme: Bettina Balakas Roman „Die Prinzessin von Arborio“



Wien (APA) - Ihre Opfer werden nicht zerstückelt und einbetoniert. Die attraktive Serienmörderin nimmt im Gegenteil Bedacht darauf, dass die Männer, die sie nicht mehr an ihrer Seite haben will, nicht bei ihrem Tod das traute Heim verschmutzen oder zur Trauerarbeit zusätzliche Arbeit verursachen. Und doch erinnert Bettina Balakas „Prinzessin von Arborio“ an eine Täterin der jüngeren Kriminalgeschichte.

Elisabetta Zorzi, italienischstämmige Besitzerin des Wiener In-Restaurants „Cantinetta Zorzi“ und Hauptfigur des neuen Romans der in Wien lebenden Salzburgerin (zuletzt „Unter Menschen“, 2014), lässt den Leser zunächst unweigerlich an die 2012 wegen Doppelmordes zu lebenslanger Haft verurteilte Estibaliz C. denken. Die Besitzerin des Eissalons „Schleckeria“ in Wien-Meidling wurde im Zuge der Berichterstattung über den spektakulären Prozess immer wieder als „Esti“ bezeichnet - was der Presserat als medienethische Grenzüberschreitung kritisierte.

Die „Eislady“ schaffte es schon als Randepisode in Form eines Gefängnis-Besuches in den jüngst erschienenen „Jonas-Komplex“ von Thomas Glavinic. Balaka dagegen rückt die Männerbeziehungen und die willentliche wie unwillkürliche Anziehungskraft Zorzis ins Zentrum ihres ungewöhnlichen Buches, das mit verschiedenen Schichtungen und Zeitebenen arbeitet, auf klassische Suspense nahezu völlig verzichtet und dennoch zum Page Turner wird.

Dass die kleine, zierliche Frau mit den großen Augen und dem gezielt einsetzbaren charmanten italienischen Akzent eine Dreifach-Mörderin ist, erfährt man bereits im zweiten Absatz. Dass auch der unkonventionelle Profiler Arnold Körber der Ausstrahlung der von ihm überführten „Prinzessin von Arborio“ (wie die Gastronomin von enthusiasmierten Lokalkritikern nach einer für Risotti besonders geeigneten piemontesischen Reissorte genannt wird) erliegt, ist ebenfalls von Anfang an kein Geheimnis. Es geht also nicht um das Was, sondern um das Wie.

Balaka spart nicht mit Details, die hier zu verraten auch das Lesevergnügen mindern würde. Sie stellt den klassischen chronologischen Ablauf auf den Kopf und macht dennoch ihre Überführung zu einem spannenden Erzählmoment. Und sie stattet ihre „Heldin“ mit einer erstaunlichen Kombination aus großer Hingabebereitschaft bei zunehmender Liebe und totaler Nüchternheit bei deren Nachlassen aus. „Für die einen war das Töten undenkbar, für die anderen war es machbar“, lautet der erste Satz des Romans. Kein Zweifel: Zorzi zählt zu den anderen.

„Die Prinzessin von Arborio“ verfügt nicht nur über eine extreme Psyche, ihre Taten geben auch allerhand Gelegenheit, über Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Allgemeinen und männlichen und weiblichen Tätern im Speziellen zu philosophieren. Dies kostet Balaka ebenso genüsslich aus wie die Pointe, dass ausgerechnet jener Ermittler, der sie am ehesten durchschauen sollte, in fast filmreifer Manier hineingezogen wird in jenen Strudel aus Anziehung, Faszination und Beschützer-Instinkt, der vor ihm bereits drei Geschlechtsgenossen das Leben gekostet hat.

„Die Serienmörderin und der Profiler“ wirbt der Verlag ein wenig atemlos. Die gefährliche Liaison endet nicht so, wie man es erwarten würde. Noch ein Pluspunkt für ein Buch, das ein wenig zu offensichtlich mit dem Reiz des Bösen spielt, das aber dennoch glänzend unterhält.

(S E R V I C E - Bettina Balaka: „Die Prinzessin von Arborio“, Haymon Verlag, 264 S., 19,90 Euro; Buchpräsentation: 21.4., 20 Uhr, Alte Schmiede, Wien 1, Schönlaterngasse 9; www.balaka.at)




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