Letztes Update am Mi, 13.04.2016 12:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Stromversorgungssicherheit: EU-Kommission ortet erhebliche Mängel



Brüssel (APA) - Die EU-Kommission hat „erhebliche Unzulänglichkeiten“ bei den nationalen Maßnahmen zur Sicherung einer ausreichenden Stromversorgung geortet. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager betonte am Mittwoch in Brüssel, natürlich sollten Blackouts und Stromausfälle vermieden werden, doch seien die nationalen Kapazitätsmechanismen zur Sicherung der Versorgung vorher nicht ausreichend geprüft worden.

Die EU-Staaten müssten sorgfältiger klären, ob solche Maßnahmen überhaupt notwendig seien und ob sie zielgerichtet und kosteneffizient ausgestaltet wurden. Vestager sagte, Kapazitätsmechanismen könnten helfen, Stromausfälle zu vermeiden. Allerdings dürften gleichzeitig Kunden keine überhöhten Strompreise bezahlen und es dürfe nicht zu Wettbewerbsverzerrungen kommen.

In dem Zwischenbericht der Kommission heißt es, dass der Bedarf an Strom auch dann vollständig gedeckt werden müsse, wenn die Erzeugung aus schwankungsanfälligen erneuerbaren Energiequellen wie Wind oder Sonne nicht ausreiche. Nach den vorläufigen Untersuchungen würde der Markt in bestimmten Regionen aus eigener Kraft derzeit keine angemessene Versorgungssicherheit gewährleisten. Wobei dies teilweise darauf zurückzuführen sei, dass in mehreren EU-Staaten eher niedrige Preisobergrenzen bestehen oder die Investoren davon ausgingen, dass die Strompreise in Zeiten von Strommangel nicht so stark steigen und damit wenig Investitionen in Erzeugungskapazitäten aufgewendet würden.

Es gebe erheblichen Verbesserungsspielraum in den Staaten bei der Bedarfsprüfung und der genauen Ausgestaltung von Kapazitätsmechanismen. Solche Mechanismen müssten transparent gestaltet sein und auch Strom aus dem Ausland beziehen können. Damit könnten sie auch zum Aufbau der Energieunion in der EU beitragen.

Die Kommission hat rund 120 Marktteilnehmer und öffentliche Stellen über ehemalige, bestehende und geplante Kapazitätsmechanismen zur Stromversorgung in elf EU-Staaten geprüft. In Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Kroatien, Polen, Portugal, Spanien und Schweden gebe es insgesamt 28 Kapazitätsmechanismen. Am gängigsten seien strategische Reserven, bei denen der Staat bestimmte Kraftwerke dafür bezahle, dass sie im Bedarfsfall wieder ans Netz gehen. Positiv sei dabei die jüngste Entwicklung zu bewerten, dass es eine Tendenz zur Einführung offenerer und inklusiver Mechanismen gibt, an denen sich Kapazitätsanbieter sämtlicher Kategorien beteiligen können.

Vestager bemängelte jedoch, dass die EU-Staaten in vielen Fällen überhaupt nicht ausreichend analysiert hätten, ob sie Kapazitätsmechanismen überhaupt benötigen. Außerdem hätten diese Mechanismen kosteneffizienter gestaltet werden können. Die Kommission will nach einer öffentlichen Konsultation bis 6. Juli des Jahres einen Abschlussbericht veröffentlichen.




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