Letztes Update am Di, 10.05.2016 11:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Muse in der Wiener Stadthalle: Rock in Perfektion unter Drohnen



Wien (APA) - Nicht nur überzeugend, sondern nahezu perfekt: So hat sich die britische Band Muse am Montag in der Wiener Stadthalle auf ihrer 360-Grad-Bühne präsentiert. Wer wissen will, wie ein Livekonzert im weiten Genre Rock aktuell inszeniert werden sollte, dem sei ein Ticket zur Tour empfohlen. „Drones“, das siebente Album des 1994 gegründeten Trios, stand im Mittelpunkt der außerordentlichen Darbietung.

Muse haben das Kunststück vollbracht, eine dem Album statt dem Eingang in die Singlecharts verpflichtete Band zu bleiben und trotzdem Hallen zu füllen. Der fast ausverkaufte Auftritt der zwischen Bombast und Drama changierenden Formation begann damit, dass Muse erst einmal gar keine Fragen zum weiteren Verlauf des Abends aufkommen ließen. Sie starteten druckvoll mit Material aus dem aktuellen, im Vorjahr erschienen Album - und vom ersten Moment an war ihnen der Zuspruch des Publikum gesichert.

Material aus „Drones“ stand anfangs also ganz oben auf der Setlist. Voll punkten konnten Muse dann aber mit dem früh dargebotenen Klassiker „Plug In Baby“. Der ließ die Emotionen der Anwesenden bereits nach weniger als einer halben Stunde in Bereiche gehen, die den meisten Bands wohl für immer verwehrt bleiben werden. Muse benötigten nicht mal eine halbe Stunde, um eine derartige Euphorie im Saal zu erzeugen.

Der Grund lag zum einen in der Präsenz von Matthew Bellamy, dem Leadsänger und Gitarristen, und dem technisch einwandfreien und druckvollen Spiel, begleitet von den zwei weiteren Bandmitgliedern Christopher Wolstenholme und Dominic Howard sowie einem Mitstreiter am Synthesizer. Eine weitere Ursache lag darin, dass Muse zwar bühnentechnisch gesehen alle Möglichkeiten hatten, diese aber gezielt und intelligent einsetzten. Es gab nichts zu kaschieren, denn die seit mehr als der Hälfte ihres Daseins als Band agierenden Engländer hielten die Spannung bis zum Schluss.

Der technische Aufwand war enorm: Der am Schreibtisch beschlossene Tod aus heiterem Himmel in Form der Drohne stand visuell im Mittelpunkt der Show. Er wurde in der Halle D durch über den Köpfen der Zuschauer stationierte, riesige Kugeln aus Kunststoff symbolisiert. Zentral platziert zu ebener Erde: die runde, rotierende Bühne. Jeweils nach links und rechts führte ein Laufsteg zu zwei halb so großen „Nebenbühnen“. Etwa 20 Meter darüber: ein längs durch die Halle verlaufendes Metallgerüst, auf dem die über zehn kugelförmigen Ungetüme auf ihren Einsatz warteten. Sie schwebten jeweils zu Anfang und am Ende durch die Halle.

Darunter dominierte die Band, allen voran mit Songs wie dem funkigen „Supermassive Black Hole“ oder dem druckvollen „Hysteria“. Mit ihrem Set gelang es Muse in Summe das oft schon angestaubte Genre Gitarrenrock in eine mitreißende, zeitgenössische Form zu bringen. Selbst Techno-Beats wurden gekonnt integriert, und der Wien-Gig erwies sich als ein rundum gelungenes Unterfangen zur Freude aller Anwesenden. Mit „Knights of Cydonia“ und dem inzwischen bewährten Ennio-Morricone-Intro als Einleitung des Finales endete der bis in die letzten Reihen umjubelte Abend.




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