Letztes Update am Mo, 06.06.2016 13:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sportpolitik: Sportforum entwickelte „Deklaration für Sport“ weiter



Schladming/Wien (APA) - Das 2. „Sportforum Schladming“ hat vergangene Woche die „Deklaration für den Sport“ weiterentwickelt und hofft nun auf Aufmerksamkeit bei der Politik. Die Deklaration soll demnächst an die zuständigen Politiker und Spitzenfunktionäre überreicht werden und helfen, den Sport ein Stück näher an den Mittelpunkt der österreichischen Gesellschaft zu rücken.

2015 war erstmals eine „Deklaration“ entwickelt worden, diese war laut Forum-Initiator Ronald Leitgeb vom damaligen Bundeskanzler Werner Faymann aber „nicht genommen“ worden. Der neue Sportminister Hans Peter Doskozil hatte dies kürzlich sofort getan, womit nun Hoffnung bestünde, dass auch der neue SPÖ-Regierungschef Christian Kern dies künftig tun werde. „Wir glauben, dass wir jetzt mit Hans Peter Doskozil einen Sportminister haben, der mit unserer Deklaration auch etwas anfangen kann“, sagte Mitbegründer Gunnar Prokop in Schladming.

Für das bemerkenswerte Start-Plädoyer in Schladming hatte Karl Stoss gesorgt. Der ÖOC-Präsident kritisierte einerseits einen „Verpolitisierung des Sports“ sowie „mehr Gegeneinander als Miteinander“ und überraschte mit dem markanten Satz: „Österreich ist keine Sport-Nation. Und wenn doch, dann nur vor dem TV, um das Fußball-Nationalteam oder die Ski-Helden anzufeuern.“

Für den Generaldirektor der Casinos Austria AG und der Österreichischen Lotterien GmbH gibt es für den Status Quo viele Gründe: Von der Verpolitisierung des Sports, der die Weiterentwicklung hemme, über die geschlossenen Schulen im Sommer und die damit verbundenen geschlossenen Hallen und Sportplätze bis hin zu der „verheerenden Sport-Infrastruktur, die eine Schande ist“ sowie der fehlenden gesellschaftlichen Verankerung des Sports. Dass in Österreich Volksschullehrer und Kindergarten-Pädagogen für Unfälle „ihrer“ Kinder persönlich haften ist für Stoss „Unsinn und gehört längst aus der Welt geschafft“.

Stoss präsentierte zudem alarmierende Zahlen. „Nur 28 Prozent der Kinder in Österreich bewegen sich regelmäßig, 72 Prozent der bis 10-Jährigen bewegen sich nicht bis kaum. In Skandinavien ist es ziemlich genau umgekehrt. Das ist ein Ansatz. Denn Kinder, die sich nicht bewegen, werden öfter krank, verursachen höhere Kosten und haben in der Schule schlechtere Noten.“

Geld ist diesbezüglich aber offenbar nicht das Problem. „Die Österreichischen Lotterien investieren jährlich mindestens 80 Millionen Euro in den Sport, dazu kommen 20 bis 30 Millionen aus der Politik“, erklärte Stoss. Geld ist da, es wird nur im Gießkannensystem verteilt, viel zu viel versickert in der Administration.

Weil „Eltern im Sport“ 2016 das Leitthema beim Forum war, stellten sich auch Eltern prominenter Sportler bei einer Podiumsdiskussion den zahlreichen Fragen. Dabei erfuhr man Interessantes bis Heiteres.

So sprach etwa George Alaba, Vater von Bayern-Kicker David Alaba, wenige Tage vor dem Beginn der Fußball-EM von einer „sehr harten“ Zeit, als die Kinder noch klein waren. „Alle haben gesagt, mein Auto gehört ins Museum, aber wir wollten, dass Bub und Mädchen je ein Zimmer haben. Das war wichtiger und nicht ganz leicht für eine Krankenschwester und einen Musiker, einen Kredit zu bekommen.“ Früher sei er im Zug stets kontrolliert worden. „Heute sagen sie: ‚Gute Reise, Herr Alaba‘“.

Herbert Janko erzählte, dass Fußballer-Sohn Marc beim Bergwandern Genügsamkeit und Durchhaltevermögen gelernt habe. Margot Schmitz ließ durchblicken, dass Sohn Markus Rogan als Kind nicht müde zu kriegen war. „Die Alternative war das Schwimmbad, doch in Wien hat sich kein Hund für Markus interessiert.“ Nach der Übersiedlung in die USA habe ihn aber sofort ein Trainer aus dem Pool gefischt, weil er eine gleichaltrige Schwimmerin toll gefunden habe und dieser immer nachgeschwommen sei. Rogan selbst klärte auf: „Ich musste schwimmen, weil die Lehrer gesagt haben: ‚Macht bitte etwas mit dem, der ist nicht ruhig zu stellen‘.“

Der aus einer Skifahrerfamilie kommende Guido Hinterseer gestand, dass Sohn Guido in der Wohnung mit dem Fußball stets Gläser, Lampen und Vasen zerschossen hätte. Die beiden in Schladming lebenden Jung-Golfer Matthias und Johannes Schwab haben sich laut Papa Andreas nach dem schweren Sturz von Skifahrer Matthias Lanzinger endgültig für Golf entschieden. Und Rudolf Melzer klärte auf, dass Sohn Jürgen seine Tennis-Karriere nicht auf Sand sondern auf rotem Asphalt in Kalabrien gestartet hat. „Wir haben gelernt, dass Kartoffelpulver besser schmecken kann als Schnitzel.“

Leitgeb hofft, dass man die zahlreichen beim Sportforum entwickelten Ideen und Vorschläge aufgreift. „Für alle vier großen Herausforderungen der aktuellen Politik haben wir Lösungsansätze anzubieten, die aber nicht wahrgenommen werden“, sagte er frühere Tennis-Trainer und Manager. Dabei gehe es um Integration, Bildung, Arbeitsplatzsicherung und Gesundheit.




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