Letztes Update am Mi, 08.06.2016 14:13

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Experten für Stärkung der privaten und betrieblichen Altersvorsorge



Wien (APA) - Das staatliche Pensionssystem wird nach wie vor die wichtigste Säule der Altersvorsorge sein, es bedarf aber einer Stärkung der ergänzenden betrieblichen und privaten Altersvorsorge, so der Tenor von Experten am Mittwoch bei einer Pressekonferenz anlässlich des morgen startenden zweitägigen institutionellen Altersvorsorge- und Investorengipfels 2016 in Wien.

Damit könne der Lebensstandard im Alter besser gesichert werden. Ein duales System wird als nachhaltiger erachtet.

Die erste Säule sollte die wichtigste Säule bleiben, Österreich sei angesichts einer Dominanz von 90 Prozent aber nicht nachhaltig aufgestellt, betonte NEOS-Parteivorsitzender Matthias Strolz. Im internationalen Vergleich zeige sich, dass die Abhängigkeit von der ersten Säule nirgends höher sei als in Österreich. In Frankreich und den Niederlanden beispielsweise liege der Anteil der ersten Säule bei rund 50 Prozent. Er verwies auf steigende Staatszuschüsse und die Notwendigkeit von Anreizen für die beiden anderen Säulen etwa durch Steuerbefreiungen für die private Vorsorge. Ziel müsse in Österreich ein Pensionssystem sein, auf das sich „unsere Kinder verlassen können“ und das Akzeptanz in der Bevölkerung finde. Es sei eine Risikostreuung notwendig. Wenn man mit 45 Jahren anfange, sich Gedanken zu machen, könne man nicht ausreichend gegensteuern. Es werde ab 2040 zum ersten Mal seit knapp 100 Jahren eine Pensionistengeneration geben, die nicht im Stande sein werde, den Lebensstandard zu halten. Es werde sich ein Phänomen breitmachen, das Altersarmut heiße, warnte der NEOS-Parteichef.

Derzeit stammen hierzulande rund 90 Prozent der Pensionszahlungen aus dem gesetzlichen ersten Säule, der Rest zu gleichen Teilen aus der zweiten betrieblichen und dritten privaten Säule der Altersvorsorge. Insgesamt hätten rund 25 bis 30 Prozent der Österreicher einen Anspruch auf eine Zusatzrente oder würden eine solche bereits beziehen, so Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbandes der Pensionskassen und Chef der VBV-Gruppe.

Er spricht sich für einen vernünftigen gesellschaftlichen Diskurs ohne Schwarz-weiß-Malerei aus, Altersarmut sei im zu schreierisch. Er verweist auf das Regierungsprogramm, wonach sich die Pensionskommission auch mit der zweiten und dritten Säule auseinandersetzen soll. Es gebe bei der privaten und betrieblichen Altersvorsorge gute Lösungen von Fondsbranche, Versicherungen und Pensionskassen. Die erste Säule diene der Existenzsicherung. Er zog folgenden Vergleich: Die erste Säule könne man als das Brot betrachten, von dem man satt werde, die zweite Säule als die Butter und die dritte individuelle Säule als die Wurst oder den Käse. Wichtig seien die steuerliche Absetzbarkeit der Eigenvorsorge, die Verlängerung der Liegedauer bei der „Abfertigung neu“, eine garantiefreie Variante der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge sowie eine Verwendung der Zukunftsvorsorge für die Pflegevorsorge zu ermöglichen.

Die Anreize würden keine großen Belastungen für den Staatshaushalt bringen. Eine Aufnahme der zweiten Säule in die Kollektivverträge beispielsweise koste den Staat gar nichts. Zakostelsky ist der Ansicht, dass das Thema gesamthafte Neugestaltung des Pensionssystems mit allen drei Säulen wichtig für den „New Deal“ wäre. Wenn die Regierungsparteien das konstruktiv angingen, wachse für sie die Wahrscheinlichkeit, bei den nächsten Wahlen positiv abzuschneiden.

Heribert Krach von der deutschen aba-Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung/MetallRente konstatierte in Deutschland ein neues Vertrauen in die gesetzliche Rente und steigendes Vertrauen in die Betriebsrenten. Nötig sei eine Institutionalisierung auf dem derzeit existierenden Verkaufsmarkt. International erfolgreich seien duale Systeme, ein System aus staatlicher Basisvorsorge und institutioneller Zusatzvorsorge sei stabiler.

Sandra Navidi, Gründerin der Beratungsunternehmens BeyondGlobal, wies darauf hin, dass es weltweit derzeit kaum Wachstum und hohe Einkommens- und Vermögensunterschiede gebe. Sie warnte vor weltweiten Konflikten, mit denen die Weltwirtschaft konfrontiert sei - etwa zwischen Alt und Jung, Arm und Reich, aber auch Erstarken von radikalen Parteien, Polarisierung wie beispielsweise in den USA durch Donald Trump.




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