Letztes Update am Do, 09.06.2016 10:28

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konferenz zum 100. Todestag: Ernst Mach noch heute „hochaktuell“



Wien (APA) - Im Februar jährte sich der Todestag des österreichischen Physikers, Wissenschaftstheoretikers, Psychologen, Physiologen und Philosophen Ernst Mach zum 100. Mal. Eine kommenden Donnerstag (16. Juni) beginnende Konferenz in Wien geht dem Wirken des Wissenschafts-Popstars nach. „In einigen Bereichen ist Mach heute hochaktuell“, sagte der Zeithistoriker Friedrich Stadler im Gespräch mit der APA.

Einer breiteren Öffentlichkeit ist das am 18. Februar 1838 in Chirlitz bei Brünn (heute Tschechien) geborene Multitalent vor allem wegen seiner Erkenntnisse zur Überschallgeschwindigkeit und der nach ihm benannten „Mach-Zahl“ bekannt. „Aus der Sicht der Scientific Community ist Mach vor allem ein Wegbereiter für eine historisch orientierte fächerübergreifende Wissenschaftsforschung“, sagte Stadler.

Greifbar werde seine wissenschaftliche Flexibilität auch anhand der Tatsache, dass der Physiker Mach 1895 auf einen philosophischen Lehrstuhl an der Uni Wien berufen wurde, so der Mitorganisator der „Ernst Mach Centenary Conference 2016“. Stadler wird bereits am Vorabend der Konferenz (15. Juni um 19.00 Uhr) eine Wiener Vorlesung zu Ehren Machs an der Universität Wien halten.

Mach war in seinen zahlreichen Betätigungsfeldern am Puls der Zeit und ein wichtiger Anreger für viele Forscher bis weit ins 20. Jahrhundert hinein und auch einer der geistigen Gründungsväter des über die 1920er-und 1930er-Jahre hinaus prägenden philosophischen Zirkels „Wiener Kreis“. Stadler: „Mit seiner interdisziplinären Vorgehensweise hat er auch viele Tore geöffnet, die sich dann verselbstständigt haben.“

In der Philosophie ging es ihm um die Etablierung einer anderen Herangehensweise als sie die stark metaphysisch geprägte klassische Philosophie verfolgte. „Er wollte sie verwissenschaftlichen und sie näher an die Forschung heranbringen. Das war ein durchaus revolutionäres Projekt“, sagte der Wissenschaftshistoriker und Philosoph. Damit habe er die Philosophie, die sich damals in einer Art Superposition über anderen Wissenschaftsdisziplinen gewähnt habe, gewissermaßen vom Sockel geholt.

Mach hat sich mit wechselndem Erfolg auch bildungspolitisch engagiert, sich für ein entwicklungsorientiertes Lernen eingesetzt und selbst Lehrbücher verfasst. Nicht zuletzt beeinflusste sein wissenschaftlicher Zugang auch zahlreiche Künstler und Literaten wie etwa Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler oder Robert Musil.

Vielleicht am aktuellsten sei Machs Betonung des Gedankens, dass es nicht eine „selig machende Methode, einen ‚Königsweg‘ zur Erkenntnis gibt, sondern dass es ein ständiges Überprüfen, Forschen und Experimentieren braucht“. Die enge Verbindung von „Erkenntnis und Irrtum“ - nicht umsonst war das auch der Titel eines seiner Hauptwerke - sei bei ihm besonders greifbar.

Genaueres Nachdenken über die eigene Forschungstätigkeit und deren mögliche Verbindungen zu anderen Disziplinen - wie es Mach Zeit seines Leben getan hat - würde auch dem heutigen sehr schnell getakteten Wissenschaftssystem gut tun, zeigt sich Stadler überzeugt. Denn gerade seine Offenheit und Fähigkeit, wichtige Entwicklungen in anderen Forschungsgebieten zu erkennen, habe es Mach erlaubt „diese unglaublich breite Wirkung, auch bis in die Politik und Kunst zu erzielen“.

Im Rahmen der dreitägigen Tagung an der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gehen Wissenschafter aus aller Welt diesen vielschichtigen Beiträgen und Denkanstößen und ihren Auswirkungen auf die heutige Sichtweise auf die Welt der Wissenschaft nach. Aus Anlass der 100. Wiederkehr des Todestages des einflussreichen Wissenschafters wird auch die Studienausgabe zu Ernst Mach im Berliner Xenomoi-Verlag fortgesetzt.

(S E R V I C E - Internet: „Ernst Mach Centenary Conference 2016“: https://mach16.univie.ac.at; Informationen zur Wiener Vorlesung am 15. Juni: http://go.apa.at/MgwnYTyV, Informationen zur Ernst Mach Studienausgabe: http://www.xenomoi.de/philosophie/mach-ernst)




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