Letztes Update am Di, 21.06.2016 16:28

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Journalisten in der Türkei verhaftet: Internationale Proteste



Istanbul (APA) - Die Türkei setzt ihren Feldzug gegen unabhängigen Journalismus unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Terrorismus fort. Drei Personen, die aus Solidaritätsgründen die Leitung der pro-kurdischen Zeitung „Özgür Gündem“ („Freie Agenda“) übernommen haben, sind unter Terrorvorwürfen verhaftet worden. Internationale Medienorganisationen verurteilten das Vorgehen.

Der Menschenrechtsprofessor Sebnem Korur Fincanci, der Chef der Türkei-Sektion von „Reporter ohne Grenzen“ (RSF), Erol Önderoglu und der Journalist Ahmet Nesin hatten jeweils für einen Tag den Posten des Chefredakteurs von „Özgür Gündem“ eingenommen. Am gestrigen Montag wurden sie deswegen festgenommen, was Proteste von türkischen Journalistenorganisationen und der internationalen Vereinigungen AEJ (Europäischer Journalistenverband) und EFJ-IFJ (Europäische und Internationale Föderation von Journalisten) nach sich zog.

Der selbst ins Visier der türkischen Justiz geratene Chefredakteur der Oppositionszeitung „Cumhuriyet“, Can Dündar, kündigte umgehend an, den vakanten Chefredakteursposten bei der pro-kurdischen Zeitung zu füllen. Die Aktion „diensthabender Chefredakteur“ begann am 3. Mai. Seitdem wechselten sich prominente Journalisten und Menschenrechtler symbolisch als Chefredakteure von „Özgür Gündem“ ab. Insgesamt 44 Personen machten bei der Aktion mit, gegen 37 wurden Justizermittlungen eingeleitet.

EFJ-Präsident Mogens Blicher Bjerregard betonte, Solidaritätsbekundungen können nicht als Terrorpropaganda angesehen werden. „Die türkischen Behörden missbrauchen Gesetze, um Kritiker und Menschenrechtler zum Schweigen zu bringen“, forderte Bjerregard die sofortige Freilassung der festgenommenen Personen. „Die Türkei arbeitet gegen sich selbst, wenn sie Aktivisten für die Pressefreiheit ins Gefängnis steckt.“




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